3,59 Mio. Bezahlfernsehteilnehmer
wurden offiziell Ende September 2004 in Brasilien gezählt, im
Dezember 2003 waren es 3,548 Mio. 60 % der Teilnehmer wurden per
Kabel erreicht, 6 % über Mikrowellen und 34 % über Satellit.
Per Ende Juni gab es 274.000 Internetbreitbandverträge, die mit
den Bezahlfernsehgesellschaften abgeschlossen worden waren. Diese
Firmen fakturierten zwischen April und Juni 2004 insgesamt 1,025 Mrd.
R$, im Vergleichszeitraum 2003 waren es 911 Mio. R$. Neueste
Entwicklung: Net, größter Bezahlfernsehanbieter Brasiliens,
bietet seit dem 7.11.04 Digitalfernsehenservice an, eine Woche nach dem
Konkurrenten TV, beide vorerst aber nur in São Paulo und Rio de
Janeiro. Bisher war nur das Bezahlfernsehen per Satellit digital. Das
offene Fernsehen muß noch warten, die brasilianische Regierung
hat sich noch nicht entschließen können, welches
Digitalsystem man einführen will und ob überhaupt ein
bestehendes zum Zuge kommen wird, denn man liebäugelt mit einer
Eigenentwicklung. Macht ja auch Sinn, warum soll man sich nicht abheben
vom Rest der Welt. Und wenn dieser Rest brasilianische Fernsehapparate
kaufen will und keine Lust zur Adaptation hat, soll er gefälligst
das brasilianische Digitalsystem übernehmen!
In Brasilien ist Bezahlfernsehen teuer, im internationalem Vergleich
und unter Berücksichtigung unserer Einkommensverhältnisse
sogar sehr teuer. Aber es gibt ja den berühmten
jeito, d.h. es geht (theoretisch)
eigentlich nicht, aber es geht (in der Praxis) natürlich. So gibt
es 38 Firmen, die sich
antenistas
nennen und die sogar einen Verband haben, nämlich die
Associação Brasileira das
Empresas de Telecommunicações e Melhoramento de Imagens e
Atividades Afins, kurz Abetelmin genannt. Diese Firmen verkaufen
Fernsehsignale, die sie direkt von Satelliten des offenen Fernsehens
empfangen, für nur 12 R$ (3,20 €) im Monat in
Favelas und anderen Gebieten mit
einer Bevölkerung niedrigen Einkommens und schlechter
Empfangsverhältnisse, die dann 21 Kanäle sehen können.
Die Abetelmin - Firmen haben ihre eigenen Netze aufgebaut, weil das
Bezahlfernsehen sich nicht in die Elendsgebiete hineinwagt bzw. dort
kein lohnendes Geschäft sieht. Aber in deren Netzbereich gibt es
neben den eingangs erwähnten 3,59 Mio. offiziellen
Bezahlfernsehteilnehmern laut ABTA (
Associação
Brasileira de Televisão por Assinatura) noch weitere
300.000, die zwar Bezahlfernsehkanäle sehen, aber den Namen
Lügen strafen und nicht dafür zahlen. Die Voraussetzung
dafür, eine heimliche Verbindung zum Netz, kostet laut einer
Reportage der New York Times 450 R$, also ca. 120 €. Wer in São
Paulo Net sehen will, zahlt im Jardim Ângela für eine
nichtgenehmigte Verbindung 17 R$ (4,53 €) im Monat und einmalig
für den illegalen Dekodifikator 25 R$ (6,67 €). Das teuerste
offiziell bezahlte Paket Net Digital kostet demgegenüber 129 R$
(34,40 €) im Monat.
Wie schief der Markt liegt, zeigt, daß die Aufsichtsbehörde
Anatel (
Agência Nacional de
Telecomunicações) im Jahr 2000 noch gemeint hat,
daß 13,1 Mio. Bezahlfernsehteilnehmer in 2004 existieren
würden, während es in Wirklichkeit nur knapp 3,6 Mio. sind.
Markenbefragung
Laut einer Befragung von 1.278
Personen durch Rádio Bandeirantes sind dies die
kundenfreundlichsten Marken (% der befragten Personen) in Brasilien:
1. Nestlé (13,8)
2. Omo (7,9)
3. Casas Bahia (4,9)
4. Natura und Sadia (je 3,8)
5. Camil (3,5)
6. Brastemp (2,6)
7. Extra (2,09
8. Coca Cola (1,8)
9. Correios (1,6)
10.
Gradiente (1,3)
Kriterien für eine gute Beurteilung war bei den Befragten das Verantwortungsgefühl
(das Produkt ist nicht gesundheitsschädlich), Transparenz (mit dem
Produkt verbundene Risiken werden dem Verbraucher klar und schnell
mitgeteilt), Kundenbeachtung
(Kundenfragen werden unkompliziert entgegengenommen sowie schnell und
zufriedenstellend beantwortet), ehrliche Reklame (kein
vages Herumreden, keine Täuschung, kein Mißbrauch), Verpflichtung
(Sozialarbeit, Berücksichtung der Gesellschaft und der Umwelt), Zuverlässigkeit
(Garantie).