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BRASILIEN AKTUELL PER 30. NOVEMBER 2004


von Karlheinz K. Naumann



KolibriDamit Sie nicht immer nur mein Gesicht sehen (müssen), zeige ich zur Abwechselung mal das Foto eines Kolibris, welches ich vor einigen Tagen auf der Terrasse meines Schwagers in Taquaritinga im Bundesstaat São Paulo aufnahm.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Aussichten für 2005 sind nicht schlecht. Heute geht man bereits von 5,2 % Wirtschaftswachstum in diesem Jahr aus und nächstes Jahr soll dieser Wert noch übertroffen werden. Das hört sich gut an, weil es im Vergleich zu Deutschland viel ist, aber im Vergleich zu China? Zu diesem Thema lesen Sie weiter unten mehr. Ansonsten sind die behandelten Themen:

Volkswirtschaft
: Gewinnsituation der Firmen "bringt Geld unter die Leute".
Brasilianisch - chinesische Zusammenarbeit: China wird für Brasilien als Investor und Importeur jeden Tag wichtiger!
Firmennachrichten: Dupont verdoppelt Farbenproduktion, Shell investiert auch.
Branchennachrichten Bezahlfernsehen: Interessante Zahlen über diese in Brasilien noch zu teure Dienstleistung
Markenbefragung: Welche Firma respektiert den Kunden am meisten?

Volkswirtschaft

Seit einigen Jahren schon müssen die brasilianischen Unternehmer ihre Mitarbeiter am Unternehmensergebnis beteiligen, was nicht mit Gewinnbeteiligung gleichzusetzen ist und auch nicht bedeutet, daß Verluste auch gemeinsam getragen werden. Aber das praktische Ergebnis wird zur Zeit sein, daß die Metaller im ABC (Industriestädte an der Peripherie von São Paulo mit hohem Anteil an Kfz - und Autoteileherstellern) 1,5 bis 3 zusätzliche Monatsgehälter Bonus erwarten können. Laut der Beratungsgesellschaft Economática betrug der Nettogewinn von 255 betrachteten Firmen bis September 41,031 Mrd. R$, das sind 47,6 % mehr als im vergleichbarem Vorjahreszeitraum!

Hier die Ergebnisse der  Gewinnanalyse (inflationsbereinigter Nettogewinn in Mio. R$ per September) von Economática:
Branche
Anzahl Firmen
1999
2000
2001
2002
2003
2004
Banken
19
4.851,7
4.440,4
6.020,8
7.540,0
8.324,6
9.944,3
Stahlhersteller und Metallverarbeiter
26
-744,9
1.438,1
670,9
-2.661,5
4.225,6
8.877,7
Bergbau
3
835,3
1.700,8
2.500,7
529,7
4.101,2
5.463,6
Elektroenergie
29
-71,3
1.874,8
-460,8
-6.434,4
1.917,8
3.932,6
Telekommunikation
16
655,5
1.788,5
445,9
398,9
2.007,9
3.195,7
Chemie
20
789,8
1.361,2
1.016,4
-1.445,9
6,1
2.298,1
Papier und Zellulose
9
-108,6
1.064,0
518,9
-841,9
3.035,9
2.251,7
Lebensmittel + Getränke
16
128,1
205,5
838,3
1.095,7
1.311,7
1.241,6
Fahrzeuge und Fahrzeugteile
15
66,9
467,3
865,6
237,4
352,5
1.1414,4
 
Die Summe dieser Nettogewinne betrug in 2002 noch -3.837 Mrd. R$ und stieg dann in 2003 auf +27.795 und in 2004 sogar auf +41.031 Mio. R$ an (immer per September). Durchaus erfreulich ist dabei, daß es den Banken auch unter einem ex-Metaller und ex-Gewerkschaftsführer als sozialistischem Staatspräsidenten gut geht, weil dies bedeutet, daß er nicht zu sehr dirigistisch und mit Linksdrall in die Wirtschaft eingreift.

Insgesamt wird von der Beratungsfirma Deloitte geschätzt, daß die Boni einschließlich des gesetzlich vorgeschriebenen 13. Monatsgehaltes bis April 2005 18 Mrd. R$ ausmachen werden und zum größten Teil in den Konsum gehen werden. Deloitte hatte im Oktober 123 Firmen befragt, 70 % davon hatten ein Beteiligunsmodell schon in die Tat umgesetzt, letztes Jahr waren es nur 64 %. 36 % der Firmen mit einem Beteiligunsmodell hatten die erste Rate schon an die Mitarbeiter überwiesen.

China und Brasilien kooperieren

Das Interesse Deutschlands an China ist extrem hoch, aber auch Brasilien sieht nach Fernost. So bestehen etliche Liefer- und andere Verträge zwischen China und Brasilien, von denen ich einige aufzählen will: Die China Southern Airlines hat 6 Düsenflugzeuge bei Embraer bestellt. Die Baosteel Group Corporation verhandelt mit Vale und Arcelor den Bau eines Stahlwerkes in São Luis (MA) und die Einrichtung einer Cargoschiffsverbindung zwischen Brasilien und China. Vale verhandelt außerdem mit Yong - cheng - Baosteel den Abbau von Kohle mit Export nach Brasilien. Vale will mit Yan - gkuang Koks in China für Brasilien produzieren. Immer noch Vale, mit der chinesischen Aluminium Corporation wurde ein Joint Venture gegründet, um Bauxit in Brasilien abzubauen und Aluminium herzustellen.  Die Central Termoelétrica do Sul will mit der China National Machinery and Equipment Import and Export ein Kohlekraftwerk in Cachoeira do Sul bauen.  Die Companhia Siderúrgica do Pará hat mit der MinMetals Trading. Co. eine Assoziierungsabkommen geschlossen. Die Companhia de Comércio Exterior plant mit der China Investment, Deveopment and Trade Coque metalúrgico aus China zu beziehen und im Gegenzug Zucker, Baumwolle und Roheisen zu liefern. Und die Companhia Brasileira de Bicicletas assoziiert sich mit der Jinan Qingqi Motorcycle, um chinesische Motorräder in Brasilien zu bauen. Die Wichtigkeit Brasiliens geht aus dem letztem Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao hervor, der im November mit 150 Unternehmern in unser Land kam und am 16.11. in São Paulo die bisher größte chinesische Messe in Brasilien eröffnete. Auf dieser Ausstellung von chinesischen Produkten und Technologien waren 100 Firmen vertreten, darunter die 50 größten  aus so verschiedenen Bereichen wie Infrastruktur, Bau, Energie, Elektroelektronik, Kfz, Motorräder, Autoteile und -zubehör, Bergbau, Metallverarbeitung, Telekommunikation, Computer, Kleidung, Textil, Kunsthandwerk, Chemie und Pharmazeutik. Am 11.11. wurde in São Paulo das China Trade Center eingeweiht, ein elfstöckiges Gebäude, in dem drei Stockwerke von der Handelsvertretung Chinas benutzt werden. Da können die Konkurrenten der Chinesen nur froh sein, daß von den 12,6 Mio. chinesischen Touristen, die 2003 ins Ausland fuhren, u.a. wegen der Sprachprobleme nur 13.000 den Weg nach Brasilien fanden.

Firmennachrichten

DuPont do Brasil feierte am 4.11.2004 in der Fabrik in Guarulhos die Verdoppelung der Produktionskapazität von Industriefarbenarben und -lacken. Die dazu nötige Investitionssumme von 5 Mio. US$ wird in 2005 nochmal ausgegeben, damit man mit dem Marktwachstum im im Kfz - Bereich mithalten kann. Gegenüber 2003 wird für 2004 ein Zuwachs von 20 bis 25 % erwartet. Die Fabrik in Gravataí in Rio Grande do Sul, die man zusammen mit Renner DuPont unterhielt, wurde geschlossen.

Wie falsch manchmal Informationen sein können, die im Markt herumschwirren, zeigt Shell, die angeblich Brasilien verlassen will, aber jetzt einen 200 Mio. US$ - Investitionsplan vorlegte. Über die Hälfte dieser Summe soll laut dem Präsidenten der Firme in Brasilien, Aldo Castelli, für unterseeische Prospektion verwendet werden. Zwar hat Shell vor drei Jahren fast 300 Tankstellen an Agip verkauft, aber Castelli betonte am 4.11.2004, daß man das Tankstellennetz stärken werde. Man sei auch bereit, Gasverflüssigungstechnologie nach Brasilien zu bringen, falls die Regierung sich entschließen sollte, diesen Treibstoff zu importieren oder exportieren.

Branchennachrichten: Bezahlfernsehen

3,59 Mio. Bezahlfernsehteilnehmer wurden offiziell Ende September 2004 in Brasilien gezählt, im Dezember 2003 waren es 3,548 Mio.  60 % der Teilnehmer wurden per Kabel erreicht, 6 % über Mikrowellen und 34 % über Satellit. Per Ende Juni gab es 274.000 Internetbreitbandverträge, die mit den Bezahlfernsehgesellschaften abgeschlossen worden waren. Diese Firmen fakturierten zwischen April und Juni 2004 insgesamt 1,025 Mrd. R$, im Vergleichszeitraum 2003 waren es 911 Mio. R$. Neueste Entwicklung: Net, größter Bezahlfernsehanbieter Brasiliens, bietet seit dem 7.11.04 Digitalfernsehenservice an, eine Woche nach dem Konkurrenten TV, beide vorerst aber nur in São Paulo und Rio de Janeiro. Bisher war nur das Bezahlfernsehen per Satellit digital. Das offene Fernsehen muß noch warten, die brasilianische Regierung hat sich noch nicht entschließen können, welches Digitalsystem man einführen will und ob überhaupt ein bestehendes zum Zuge kommen wird, denn man liebäugelt mit einer Eigenentwicklung. Macht ja auch Sinn, warum soll man sich nicht abheben vom Rest der Welt. Und wenn dieser Rest brasilianische Fernsehapparate kaufen will und keine Lust zur Adaptation hat, soll er gefälligst das brasilianische Digitalsystem übernehmen!

In Brasilien ist Bezahlfernsehen teuer, im internationalem Vergleich und unter Berücksichtigung unserer Einkommensverhältnisse sogar sehr teuer. Aber es gibt ja den berühmten jeito, d.h. es geht (theoretisch) eigentlich nicht, aber es geht (in der Praxis) natürlich. So gibt es 38 Firmen, die sich antenistas nennen und die sogar einen Verband haben, nämlich die Associação Brasileira das Empresas de Telecommunicações e Melhoramento de Imagens e Atividades Afins, kurz Abetelmin genannt. Diese Firmen verkaufen Fernsehsignale, die sie direkt von Satelliten des offenen Fernsehens empfangen, für nur 12 R$ (3,20 €) im Monat in Favelas und anderen Gebieten mit einer Bevölkerung niedrigen Einkommens und schlechter Empfangsverhältnisse, die dann 21 Kanäle sehen können. Die Abetelmin - Firmen haben ihre eigenen Netze aufgebaut, weil das Bezahlfernsehen sich nicht in die Elendsgebiete hineinwagt bzw. dort kein lohnendes Geschäft sieht. Aber in deren Netzbereich gibt es neben den eingangs erwähnten 3,59 Mio. offiziellen Bezahlfernsehteilnehmern laut ABTA (Associação Brasileira de Televisão por Assinatura) noch weitere 300.000, die zwar Bezahlfernsehkanäle sehen, aber den Namen Lügen strafen und nicht dafür zahlen. Die Voraussetzung dafür, eine heimliche Verbindung zum Netz, kostet laut einer Reportage der New York Times 450 R$, also ca. 120 €. Wer in São Paulo Net sehen will, zahlt im Jardim Ângela für eine nichtgenehmigte Verbindung 17 R$ (4,53 €) im Monat und einmalig für den illegalen Dekodifikator 25 R$ (6,67 €). Das teuerste offiziell bezahlte Paket Net Digital kostet demgegenüber 129 R$ (34,40 €) im Monat.

Wie schief der Markt liegt, zeigt, daß die Aufsichtsbehörde Anatel (Agência Nacional de Telecomunicações) im Jahr 2000 noch gemeint hat, daß 13,1 Mio. Bezahlfernsehteilnehmer in 2004 existieren würden, während es in Wirklichkeit nur knapp 3,6 Mio. sind.

Markenbefragung

Laut einer Befragung von 1.278 Personen durch Rádio Bandeirantes sind dies die kundenfreundlichsten Marken (% der befragten Personen) in Brasilien:

                1. Nestlé (13,8)
                2. Omo (7,9)
                3. Casas Bahia (4,9)
                4. Natura und Sadia (je 3,8)
                5. Camil (3,5)
                6. Brastemp (2,6)
                7. Extra (2,09
                8. Coca Cola (1,8)
                9. Correios (1,6)
              10. Gradiente (1,3)

Kriterien für eine gute Beurteilung war bei den Befragten das Verantwortungsgefühl (das Produkt ist nicht gesundheitsschädlich), Transparenz (mit dem Produkt verbundene Risiken werden dem Verbraucher klar und schnell mitgeteilt), Kundenbeachtung (Kundenfragen werden unkompliziert entgegengenommen sowie schnell und zufriedenstellend beantwortet), ehrliche Reklame (kein vages Herumreden, keine Täuschung, kein Mißbrauch), Verpflichtung (Sozialarbeit, Berücksichtung der Gesellschaft und der Umwelt), Zuverlässigkeit (Garantie).

.......... Entschuldigung, aber diese Seite ist noch in Arbeit, zu viele andere Dinge sind zu tun! ..........
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