Moody's hob am 9.9.2004 das Rating Brasiliens von B2 auf B1 an.
Das ist gut, aber nicht gut genug, denn damit sind wir noch vier Noten
unter Mexiko und eine Investition in brasilianische Papiere ist damit
immer noch spekulativ. Das wird sich nach Meinung führender
Bankexperten erst 2008 ändern, dann sollte Brasilien mit BBB- bei
S&P und Fitch und ein Jahr später mit Baa3 bei Moody's den
heutigen Status Mexikos erreicht haben.
U. a. ist dazu ein gesundes Wachstum nötig und das ist nach dem
Schock über die Ende 2002 gewählte sozialistische Regierung
erreicht:

Hier werden jeweils die Zahlen eines Vierteljahres gezeigt und diese
sehen augenblicklich sehr gut aus. Das BIP betrug nämlich im
ersten Halbjahr 2004 mit 816,8 Mrd. R$ schon 4,2 % mehr als im
vergleichbarem Vorjahreszeitraum. In den ersten sechs Monaten des
laufenden Jahres betrugen die Investitionen der brasilianischen
Volkswirtschaft 18,6 % vom BIP, das ist der höchste Wert seit
2001, er liegt aber immer noch unter dem Mittelwert 1994 bis 2001:
Jahr
|
1994
|
1995
|
1996
|
1997
|
1998
|
1999
|
2000
|
2001
|
2002
|
2003
|
2004*
|
Investitionen in % des BIP
|
21,8
|
22,1
|
19,4
|
20,4
|
20,2
|
19,0
|
20,1
|
20,2
|
18,3
|
17,9
|
18,9
|
* Prognose
Wenn viel Energie und Verpackungsmaterial vebraucht wird, geht es der
Wirtschaft gut. Im August betrug der Verbrauch an Elektroenergie 32,385 GWh, das sind
9,37 % mehr als im August des Vorjahres. Im August war auch der
höchste Verbrauch Brasiliens an einem Tag zu verzeichnen,
nämlich in der Spitze 57.799 MW am 24.8.2004.
Nachdem die Produktivität
im Lande 2002 um 1,7 % gesteigert werden konnte, schrumpfte sie um -0,4
% in 2003, wuchs aber in 2004 wieder und zwar um 7,2 % (alle Werte
gelten jeweils für das erste Vierteljahr). São Paulo lag
dabei in 2004 mit 10,5 % an der Spitze.
Auch die Zahl der in Brasilien registrierten Hubschrauber wächst
stetig, in 1996 waren es noch 523 und Ende Juni 2004 schon 981! Mehr
als die Hälfte davon sind übrigens im Bundesstaat São
Paulo registriert.
Engpässe gab es
zumindestens in der Produktion schon lange nicht mehr so
ausgeprägt wie heute in Brasilien:
Branche
|
Kapazitätsauslastung
(%)
|
Investition
2004 (Mio. R$)
|
Zellulose, Papier, Pappe
|
95,0
|
411,4
|
Gummi
|
93,2
|
252,7
|
| Stahl |
92,2
|
3.661,2
|
Perfums, Seifen,
Waschmittel, Glycerin, Kerzen
|
91,7
|
83,4
|
Textil
|
90,3
|
188,6
|
| Metallverarbeitung |
85,3
|
337,3
|
Chemie
|
83,5
|
1.179,7
|
Holz und Möbel
|
83,4
|
220,7
|
Quelle: Befragung von 346 Firmen durch die FGV
Brasilien rechnet damit, ab
2010 täglich 300.000 Fässer Erdöl mehr zu fördern, als
es verbraucht. Wir werden also in nicht zu weiter Zukunft ein
erdölexportierendes Land sein! Besser spät, als nie! Und
damit ist nicht eingerechnet, daß vielleicht neue Vorkommen
entdeckt werden. Die heute bekannten reichen für 18 Jahre.
Die Telekommunikationsfirmen Telefônica, Telemar, Brasil Telecom
und Embratel müssen auch in Brasilien aufpassen, daß ihnen
die Internettelefonie (VoIP)
nicht das lukrative Festnetzgeschäft wegnimmt. Denn bei uns hat
sich der Breitbandzugang zum Internet so schnell entwickelt, daß
die Zahl der potentiellen Internettelefonierer immer größer
werden wird:
Jahr
|
2001
|
2002
|
2003
|
2004
|
2005
|
2006
|
2007
|
2008
|
Anzahl
brasilianischer Internetbreitbandnutzer
|
327.000
|
694.000
|
1.189.000
|
1.682.000
|
2.314.000
|
3.003.000
|
3.647.000
|
4.284.000
|
Und das heißt auch gute Geschäftschancen für
Firmen im Lichtwellenleitergeschäft, sprich Hersteller von
Glasfaserkabeln und Zubehör einschließlich Netzdienstleister.
Es ist immer gut, Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen. Hier sehen
Sie die prozentuale Veränderung des BIP einiger Schwellenländer im
zweiten Vierteljahr 2004:
Land
|
Brasilien
|
Argentinien
|
Chile
|
Mexiko
|
Peru
|
Venezuela
|
Südkorea
|
Phillipinen
|
Malaysia
|
Südafrika
|
Vergleichsbasis 2.
Vierteljahr 2003
|
5,7
|
7,3
|
5,1
|
3,9
|
3,6
|
13,6
|
5,5
|
6,2
|
8,0
|
2,5
|
Vergleichsbasis 1.
Vierteljahr 2004
|
1,5
|
- 0,2
|
1,3
|
1,2
|
- 0,4
|
2,8
|
0,6
|
0,7
|
2,0
|
1,0
|
FIRMENNACHRICHTEN
Die 105 Jahre alte Klabin will die aktuelle
Jahresproduktion von 1,5 Mio. Tonnen Papier für Verpackungsmittel
auf 2 steigern und studiert zur Zeit, welche der 18 Fabriken der Firma
investieren soll. Verpackungsmittel machen heute 38 % des
Jahresumsatzes aus. Dieses Jahr wurden 400 Mio R$ investiert, 156 Mio.
R$ davon in der größten Verpackungsmittelfabrik Klabins in
Telêmaco Borba im Bundesstaat Paraná. Der Nettoumsatz von
Klabin wurde im ersten Halbjahr 2004 gegenüber dem vergleichbarem
Vorjahreszeitraum um 11 % auf 1,29 Mrd. R$ gesteigert, 44 % davon
wurden exportiert. Klabin entwickel übrigens u.a. mit Tetrapack
eine Weltneuheit, das komplette Recycling von langlebigen Verpackungen
auf Zellulosebasis.
In vorausgegangenen BRASILIEN AKTUELL war schon von Natura die Rede. Die Firma mausert
sich zum ernstzunehmenden Konkurrenten von Avon, wenn man sie vergleicht. So
beschäftigt Avon in Brasilien 880.000 "Beraterinnen" und Natura
375.000, wobei Avon damit 2,9 und Natura 1,9 Mrd. R$ in 2003 umgesetzt
hat. Der Prokopfumsatz, d.h. pro Verkäuferin wäre damit bei
Avon 3.295 R$, aber bei Natura 5.067 R$ im Jahr. Natura ist aber erst
in 4 Ländern tätig, während Avon es auf 143 Länder
bringt. Avon ließ in 24 Länder 21.000 Frauen befragen, das
interessante Ergebnis ist, daß in Brasilien 87 % der Frauen
gegenüber 77 % in den anderen Ländern Kosmetik nicht als
Luxus betrachten und 90 % der Brasilianerinnen gegenüber 67 %
Frauen anderer Nationalität sich sehr anstrengen, besser
auszusehen. Wenn ich nicht Angst hätte, beschimpft zu werden,
würde ich jetzt sagen, das Ergebnis ist auch sehr
zufriedenstellend, aber damit handle ich mir sicher nur bei meiner
brasilianischen Frau und meiner ebenso brasilianischen Tochter
Lorbeeren ein, aber nicht bei anderen Leserinnen.
Schincariol baut für 200
Mio. R$ eine neue Brauerei in der Nähe von Belém an der
Amazonasmündung mit einer Kapazität von 150 Mio. Litern Bier
und 50 Mio. Litern Erfrischungsgetränke (als ob Bier nicht
erfrischen würde) und Mineralwasser im Jahr, was gleichzeitig 240
neue Arbeitsplätze bedeutet.
BRANCHENNACHRICHTEN:
EVUs
Die Umweltschutzbehörde hat endlich die Erlaubnis gegeben,
daß das Staubecken des E-Werkes Barra Grande im Pelotasfluß
zwischen Santa Catarina und Rio Grande do Sul gefüllt werden darf.
Damit wird ein Signal gesetzt für die Kraftwerksbetreiber, denn
aus Umweltschutzgründen waren bisher 23 von 45
Kraftswerksneubauten blockiert. Zumindestens die Baustellen von
Estreito in Tocantins und Chapecó an der Grenze von Santa
Catarina mit Rio Grande do Sul sollen ebenfalls freigegeben werden.
Diese drei E-Werke repräsentieren allein 52 % der Kapazität
der bisher 23 blockierten Neubauten. Sollten die angekündigten
E-Werke nicht bis 2010 am netz sein, wird es wahrscheinlich wieder zu
Energieengpässen in Brasilien kommen.
BRANCHENNACHRICHTEN:
KFZ - INDUSTRIE
Der August war ein
ausgesprochen guter Monat für die brasilianische Kfz - Industrie
mit 198.000 (Rekord!) produzierten und 131.000 im Inland verkauften
sowie 66.000 exportierten (noch ein Rekord!) Fahrzeugen, wobei in der
Inlandsverkaufszahl auch Importfahrzeuge enthalten sind. Einziger
Ausrutscher war der schwache Inlandsabsatz. Per August wurden 987.000
Fahrzeuge neu zugelassen, das sind 14,3 % mehr als im vergleichbarem
Vorjahreszeitraum. Bis Jahresende will man auf 1,55 Mio. im Inland
abgesetzte Fahrzeuge kommen, wobei aber schon Zweifel aufkommen, ob
dies erreichbar ist, denn dies heißt immerhin von September bis
Dezember 138.000 verkaufte Fahrzeuge monatlich. Wichtig ist in diesem
Zusammenhang auch das Verhalten der Banken, denn 70 % aller in
Brasilien verkauften Neufahrzeuge laufen, wie man so schön sagt,
nicht auf Rädern, sondern auf Wechseln, d.h. sind finanziert. Die
Produktion per August erreichte 1,424 Mio. Einheiten, das ist der beste
Wert seit 1997. Der Export per August war mit 5,14 Mrd. US$ 55 %
höher als im vergleichbarem Vorjahreszeitraum. Wegen dieser
Exportzahlen schätzt der Kfz - Herstellerverband auch, daß
man das Rekordproduktionsjahr 1997 und die damals erreichten 2,1 Mio.
produzierten Fahrzeuge in 2004 übertreffen wird.