Im Vormonat schrieb ich bereits über
NATURA COSMÉTICOS. Die Firma ist
seit Mai 2004 an der Börse notiert und kann außerordentliche
Zahlen vorweisen: Zwischen April und Juni 2004 betrug ihr Gewinn 78,8
Mio. R$, gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, als er
11,9 Mio. R$ war, ein Zuwachs von 562,3 %! Für das erste Halbjahr
waren die Zahlen 123,5 bzw. 16,9 Mio. R$, also sogar ein Gewinnzuwachs
von 630,7 %. Der Umsatz erreichte von April bis Juni des laufenden
Jahres 428,5 Mio. R$ gegenüber 322,2 Mio. R$ im vergleichbaren
Vorjahreszeitraum, also 33 % mehr. Dieser Zuwachs wurde durch einen
Mehrabsatz von 27,5 % und eine mittlere Preiserhöhung ab Ende
März 2004 von 6,2 % erreicht. Ende Juni 2004 verfügte die
Firma über 366.900 Verkaufsberaterinnen, 16,1 % mehr als Ende
2003. Die meistverkauften Produkte waren Perfums, Make up - Artikel,
Crèmes, Lotions und Sonnenschutzmittel (67,8 %). Den zweiten
Platz nahmen Haar- und Bartpflegemittel, Mundhygieneprodukte, Seifen
und Desodorante ein (28,5 %). Im Inland wurden 97 % umgesetzt, der
Anteil Lateinamerikas stieg von 2,4 auf 3 %. Die Bruttoverschuldung
ging Ende Juni 2004 gegenüber Juni 2003 von 167 auf 105,3 Mio. R$
zurück. Da die Firma über Mittel von 189,8 Mio. R$
verfügt, beträgt der Saldo beruhigende 84,5 Mio. R$.
SEMP TOSHIBA bemerkt den
Aufschwung besonders deutlich, der bei der weißen und der braunen
Ware durch billigere Kredite möglich wurde. Im ersten Halbjahr
2004 setzte der TV - Marktführer 60 % mehr als im vergleichbaren
Vorjahreszeitraum. Für das laufende Jahr hatte man 10 % Wachstum
geschätzt, aber man geht jetzt schon von 20 % aus. In 2003 setzte
die Firma insgesamt 1,2 Mrd. R$ um.
BRASKEM, Hersteller von
Kunstharzen, konnte seine Nettoverschuldung von 7,7 Mrd. R$ im Dezember
2002 auf 6,3 Mrd. R$ im März 2004 reduzieren. Der Firmenumsatz
sprang von 8,9 Mrd. R$ in 2002 auf 11,3 Mrd. R$ in 2003. Die
Investitionen für das laufende Jahr sehen 400 Mio. R$ vor, im
Vorjahr war es die Hälfte.
Klabin schrieb 2002 noch
tiefrot, der Verlust betrug 208 Mio. R$, hauptsächlich wegen der
Realabwertung. Die Verschuldung, die 2002 noch 2,8 Mrd. R$ betrug,
konnte auf heute 513 Mio. R$ abgebaut werden. Damit wurde das
Verhältnis Verschuldung/(Einnahmen vor Zinsen, Steuern,
Abschreibungen und Amortisierung) von 2,9 auf 0,6 verbessert. Damit
dies möglich wurde, verkaufte Klabin seine Riocell - Aktien an
Aracruz Celulose und seine 50 % - Beteiligung an Klabin Kimberley
(Brasilien) und KCK Tissue (Argentinien) an Kimberly-Clark Tissue do
Brasil bzw. an die Kimberley-Clark Argentina.
BRANCHENNOTIZEN
Die KFZ - Branche hatte mit 133.900
verkauften Fahrzeugen den besten Juli seit 1998. Und hat folgerichtig,
dem Gebot von Angebot und Nachfrage folgend, angekündigt, die
Preise anzuheben, aber nur um bescheidene 1,5 bis 2 %. Der Absatz war
um fast 18 % höher als im Juli 2003 und 2,5 % mehr als im Juni
2004. Per Juli 2004 wurden 857.000 Einheiten (Pkws einschließlich
leichter Lieferwagen u.ä., Lkws und Busse) verkauft, das waren
12,5 % mehr als in den ersten 7 Monaten des Vorjahres.
Einschließlich des Exportes wird ein Gesamtabsatz der Branche von
2,1 Mio. Einheiten für dieses Jahr erwartet. In 1997 waren wir
schon auf diesem Niveau, mit 2,097 Mio. Einheiten.
Der Absatz der Pkws und leichten Lieferwagen u.ä. nahm im Juli
2004 um 2,6 % gegenüber dem Vormonat zu. Fiat schaffte in diesem
Segment mit 31.203 Fahrzeugen wieder den Sprung an die Spitze und
schlug VW deutlich, die nur auf 27.250 Einheiten kamen. GM kam mit laut
Zeitungsberichten mit exakt der gleichen Anzahl auf den dritten Platz,
fragen Sie bitte nicht, warum. Von diesen Fahrzeugen wurden per Juli
2004 801.800 Stück verkauft, 11,8 % mehr als im gleichem
Vorjahreszeitraum. Wenn man die ersten sieben Monate zusammen
betrachtet, liegt GM immer noch mit 197.200 Einheiten vor Fiat mit
188.300 und VW mit 178.400.
Diese Zahlen sind vorläufig und sollen am 5.8.04 vom Verband
ANFAVEA bestätigt werden.
Für August ist eine Stahlpreiserhöhung von ca. 10 %
angekündigt. Der Stahlpreis ist heute bereits der Grund für
fehlende Teile und Produktionsausfälle bei den Kfz -
Teileherstellern und damit anschließend auch am Montageband der
Kfz - Hersteller.
BRASILIEN IM INTERNATIONALEM VERGLEICH:
KOSTEN
Ein
Lebenshaltungskostenvergleich bestätigt, was meine Besucher aus
Deutschland empfinden: Das Leben in Brasilien ist für Dollar- oder
Euroverdiener billig. Unter 144 Städten nimmt São Paulo den
128. Platz ein (2003: 136), Rio de Janeiro den 131. (2003: 137). In
2002 lag São Paulo noch auf Platz 98 und Rio de Janeiro auf
Platz 99. Danke, Präsident Lula! Er hat wenigstens ein Herz
für ausländische Geschäftsleute, die Brasilien besuchen.
Auch dem deutschem Kanzler werden ja solche herzlichen Verbindungen zu
deutschen Geschäftsleuten nachgesagt, allerdings beschränkt
auf die angestellten Vertreter der Großindustrie und nicht etwa
ausgedehnt auf die Eigentümer von Mittelstandsbetrieben. Irgendwo
muß sich ja der soziale (sozialistische?) Aspekt der
größeren deutschen Regierungspartei zeigen.
Tokyo ist immer noch die teuerste Stadt der Welt, gefolgt von London.
Die billigste Stadt (ein Dittel der Lebenshaltungskosten in Tokyo) ist
Assunção. Moskau liegt zur Zeit auf dem dritten Platz,
danach kommen Osaka, Hong Kong und Genf. New York liegt auf dem 12.
Platz.
BRASILIEN IM INTERNATIONALEM VERGLEICH:
FORSCHUNG
Die Ergebnisse wissenschaftlicher Spitzenforschung lassen sich durch
die Anzahl von darüber veröffentlichten Artikeln und speziell
deren Zitierung messen. Zur Zeit sind nach dem Kriterium "Zitierung" 31
Länder, darunter Brasilien, für 98 % aller wissenschaftlichen
Publikationen verantwortlich, die restlichen 162 Länder nur
für 2 %. Die ersten 8 Länder, darunter nicht Brasilien,
publizieren 84,5 % der meistzitierten Artikel. Diese Zahlen wurden in
der Ausgabe vom 15.7.04 der Zeitschrift NATURE genannt. Danach sind die
wichtigsten Länder nach diesem Kriterium die USA,
Großbritannien, Deutschland, Japan, Frankreich, Kanada, Italien,
Schweiz, Holland und Australien. Brasilien nimmt mit 0,5 % der
meistzitierten Artikel den 23. Platz ein, nach China (19.),
Südkorea (20.), Polen (21.) und Indien (22.). Nur ein einziges
afrikanisches Land ist in dieser Statistik enthalten, nämlich
Südafrika (29.), das einzige islamische Land ist Persien (30.).
Die Umwandlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Ergebnisse
kann durch die Anzahl der erteilten Patente beurteilt werden. Nach
diesem Kriterium nimmt Brasilien laut einer kürzlichen UNO -Studie
nur den 43. Rang weltweit ein.
Eine Anmerkung zur Formatierung des Textes. Frau Hein, die
verantwortliche Betreuerin der IHK Essen des von mir geleiteten
Firmenpools Brasilien / Mercosur, bat mich um Rückkehr zu der hier
benutzten Form, weil die Formatierung nach Zeitungsart, die ich
zwischenzeitlich gewählt hatte, zwar auf dem Bildschirm leichter
lesbar ist, aber nicht ausgedruckt. Also schreibe ich wieder so,
daß Sie, verehrter Leser, BRASILIEN AKTUELL in Ruhe ausgedruckt
lesen können, ohne zwischen den Seiten hin- und herspringen zu
müssen. Das Argument, daß niemand die Zeit hat, einen so
langen Text am Bildschirm zu lesen, hat mich ebenfalls überzeugt.