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BRASILIEN AKTUELL PER 30. JUNI 2004

 
von Karlheinz K. Naumann

DER KOMMENTAR DES MONATS
Karlheinz NaumannVon meinem Partner Eike Ingo Friese aus Caracas erhielt ich folgenden am 1.6.04 veröffentlichten Artikel, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, weil sein Inhalt sinngemäß - leider - teilweise auch auf Brasilien zutrifft:

Why Is Bermuda Richer Than Venezuela?

By Carlos A. Ball 

Other things being equal, one would think that Venezuela -- a democratic country with immense oil and mineral riches, populated by descendants of the liberators of Latin America -- would out-prosper Bermuda -- an island one-third the size of the District of Columbia, two-thirds populated by the descendants of black slaves, with one paved airport, no university, and no natural resource more valuable than its beaches. But other things are not equal. And as a result, the per capita income of Bermudians is $36,845, one of the highest in the world, and that of Venezuelans $3,326. There is no unemployment in Bermuda, whereas over half of the Venezuelan population is either unemployed or working in the underground economy. How can this be? Never underestimate the immense capacity of Latin American politicians to assume ownership of major industries, spew out legislation limiting the freedom of the people, redistributing their property, and denying them equal treatment under the law, while bombarding the population with socialist demagoguery. Venezuela's government, directly and through the businesses it owns, is the top employer, and the people are dictated to by a ponderous and corrupt bureaucracy. In Bermuda, the only government enterprise is the postal service. There is no central bank. Bermudian dollars and U.S. dollars are interchangeable. For that reason, we have never heard of capital flight in Bermuda and economic analysts place it at about the same risk range of Singapore, where democracy is still in its infancy, but where people enjoy total economic freedom, meaning that the market functions freely and advances at a high speed in a globalized economy. The value of the Venezuelan currency, the bolívar, was fixed at one gram of gold from 1879 to 1961. The "democratic" governments, starting in the 1960s, have destroyed the value of the bolívar, with exchange controls and a devaluation of 60,445% in the last 43 years. The average inflation in Venezuela is 20% vs. 2% in Bermuda. A low inflation rate is one of the best measures of government respect for property rights. The rule of law that reigns in Bermuda fosters individual freedom; a non-interventionist régime, with minimum regulations, and a legislative assembly that doesn't forge and promulgate new laws all the time offers great incentives for savings, for investments and to create new job opportunities. A referendum on independence was soundly defeated in Bermuda in 1965, and the 138 coral islands and islets remain an overseas territory of the United Kingdom, with internal self-government. Venezuela, meanwhile, is one of the oldest "democracies" in Latin America. President Chávez is using every trick he has learned from his mentor Fidel Castro to avoid a recall referendum of his presidency. The latest trick is that his government controls the software company that will design electronic ballots and record votes for Venezuela's new election system. A decision was taken to scrap the country's 6-year-old voting machines, which is seen as a maneuver to manipulate votes. Since Chávez controls the National Assembly, the Supreme Court, the Electoral Council, and the oil income, democracy in Venezuela is a figment of Chávez's imagination. In the real world, the so-called "wild capitalism" of Bermuda, with its high respect for property rights, is a lot less savage than the corrupt "Bolivarian" revolution of President Hugo Chávez, which now embraces almost every evil Simón Bolívar dedicated his life to fight. Everyone who reads newspapers and watches the news on television has heard the names of Hugo Chávez, Lula and Néstor Kirchner, the socialist presidents of Venezuela, Brazil, and Argentina. I doubt if you recognize the name Alex Scott, the head of the government of Bermuda, or of Pascal Couchepin, the president of Switzerland. As far as governments are concerned, small is very beautiful.

Schade, daß Präsident Lula sich Hugo Chávez und Fídel Castro mehr verbunden fühlt als dem englischem Königshaus oder der US - amerikanischen Regierung!
AUS   POLITIK...
Der von der Regierung per Dekret (medida provisória) deklarierte Mindestlohn wurde am 2.6.04 vom Parlament mit 260 R$ monatlich bestätigt. Die Opposition hatte 275 R$ vorgeschlagen, wohl wissend, daß sie damit die Regierung in Schwierigkeit bringen würde. Am 18.6.04 schlug dann die Stunde der Opposition im Senat, der für die 275 R$ stimmte. Einige Senatoren(innen) der Regierungskoalition stimmten dabei gegen den Präsidenten. Aber dieser Sieg war nur von kurzer Dauer, denn am 23.6.04 stimmten die Parlamentsabgeordneten mit einer satten 100 Stimmen - Mehrheit für die ursprünglichen 260 R$, d.h der neue Mindestlohn beträgt nach fast dreimontigem Bemühen der Regierung gemäß aktuellem Kurs ca. 88 US$.

Die Liebesbeziehung zwischen (der Volksrepublik) China und (der mir symphatischeren Bundesrepublik) Brasilien schien zunächst recht einseitig zu sein, denn aus dem Osten kam Gegenwind auf, der die Schiffe mit 239.000 Tonnen brasilianischen Sojabohnen ans heimische Gestade zurücktrieb. Chinesische Begründung: Die Sendungen seien mit Fungiziden verunreinigt. Am 15.6.04 waren bereits 23 brasilianische Exporteure davon betroffen. Der brasilianischen Delegation, die  das Problem in China besprechen wollte, wurden zunächst keine Visa erteilt. Dahinter stand, daß China zu Höchstpreisen eingekauft hatte und dies dann nach dem Motto "wer zahlt, sucht die Musik aus" korrigieren wollte. Es gilt also immer noch der alte Spruch, daß bei drohenden Verlusten selbst öffentlich beteuerte Freundschaften ebenfalls bedroht sind. Aber die brasilianische Regierung hatte asiatische Geduld und am 18.6.04 flog dann doch eine Regierungsdelegation nach Peking, die am 21.6.04 den ersehnten Erfolg melden konnte, China: Embargo aufgehoben! Aber nur für Schiffsladungen, die nach dem 11.6.04 Brasilien verließen, aber immerhin, die 23 Tradings sind wieder im Geschäft!

Rußland unterbrach am 18.6.04 den Fleischimport aus Brasilien, weil im nicht exportierendem Bundesstaat Pará Maul- und Klauenseuche aufgetreten war. Auch hier half die politische Ausrichtung der brasilianischen Regierung zunächst nicht, Schaden abzuwenden, erst zum Monatsende wurde ein Ende der Sanktionen angekündigt. Der Schaden hält sich aber in Grenzen, denn obwohl anschließend auch Argentinien den Fleischimport aussetzte, konnte Brasilien von den Problemen der USA mit der im Dezember 2003 aufgetretenen Maul- und Klauenseuche profitieren, weil einige europäische Länder zwar nicht mehr aus den USA ihr Fleisch beziehen, aber immer noch aus Brasilien. Deshalb wuchs der brasilianische Fleischexport per Mai 2004 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum mengenmäßig um 23 % und wertmäßig sogar um 62,5 %.

Der Finanzminister Palocci betonte zwar am 18.6.04, daß der Zentralbankausschuß für Währungspolitik  weitere Leitzinssenkungen beschließen würde, aber  dieser  beschloß einige Tage zuvor, zunächst einmal alles zu lassen wie es ist, d.h. die aktuellen 16,5 % gelten wegen der Inflationsgefahr weiterhin. Dabei ist der Ausschuß durchaus optimistisch, was das Wirtschaftswachstum angeht - für 2004 werden + 3,5 % für das BIP erwartet - aber auch ängstlich, was den Inflationsmechanismus angeht. Man sollte daher bis Jahresende nicht erwarten, daß der Leitzins unter 15 % fällt.
  Sonnenuntergang in Angra dos Reis
Sonnenuntergang
...UND  WIRTSCHAFT
Der Mai war, was die Außenwirtschaft angeht, ein Rekordmonat:

pro Mai 2004 (Mrd.US$)
per Mai 2004 (Mrd.US$) Juni 2003 bis Mai 2004 (Mrd.US$)
Import
4,8
22,7
51,9
Export
7,9
34,0
79,9
Saldo
3,1
11,3
28,0
Noch nie wurde ein Handelsbilanzüberschuß in dieser Höhe in einem einzigem Monat erwirtschaftet und noch nie war der Export eines einzigen Monats so hoch. Und die Regierung hat hoffentlich bemerkt, daß man importieren muß, um zu exportieren. Und je mehr man exportiert, desto mehr Hartwährung kommt ins Land und erlaubt die Begleichung der Importrechnungen.

Hauptmotor mit 12,1 % des Exportes ist der Bereich Eisenerz, Stahl, Aluminium, Papier und Zellstoff, dann folgt der Sojakomplex mit 10 % und der Kfz - Bereich mit knapp 8 %.

Eine weitere Hartwährungsquelle, auf die die Banco Interamericano de Desenvolvimento - BID und nicht etwa die brasilianische Zentralbank hinwies, sind die Überweisungen brasilianischer Auswanderer und expatriates ins Heimatland. In 2003 waren es 5,4 Mrd. US$. Nur Indien, Mexiko, die Phillipinen und Indonesien erhalten mehr Zuwendungen von ihren im Ausland lebenden Bürgern.

Im letztem Jahr erhielt alle lateinamerikanischen Länder zusammen 38 Mrd. US$ auf diesem Wege, wesentlich mehr als die ausländischen Direktinvestitionen in Höhe von 24 Mrd. US. In Brasilien allerdings erreichten diese Überweisungen nur 41,2 % der ausländischen Direktinvestionen in 2003.

Die brasilianische Zentralbank verzeichnete übrigens nur  2,9 Mrd. US$ Überweisungen, d.h. ein hoher Anteil umgeht das Bankensystem. Das ist nicht verwunderlich, denn die hohen Mindestumtauschgebühren von 30 bis 80 US$, die mich als Berliner der  "gerade noch - Kriegsgeneration" an die Zwangsumtauschpraxis der damaligen "DDR" erinnern, mindern den Wert kleiner Überweisungen substanziell. Und versuchen Sie nicht, kleine Beträge, die Sie als brasilianische Firma als Kostenerstattung einnehmen, offiziell auf einem Firmenkonto im Ausland zu bündeln und nur größere Beträge zu überweisen, laut Zentralbank kann ein solcher Betrag nicht korrekt registriert und klassifiziert werden. Und die Einrichtung eines Auslandskontos wird mit größtem Mißtrauen beobachtet und ist fast schon synonym mit Steuerhinterziehung.

Ws dem Einem seine Eule, ist dem Anderem seine Nachtigall. Ich hatte schon mehrmals über die kritische Sicherheitssituation in Brasilien geschrieben, die jetzt dazu führte, daß das Land einen neuen Exportschlager hat - gepanzerte Fahrzeuge. Die Fahrzeugnachrüstung mit einer schuß- und eventuell auch granaten- und minensicheren Panzerung hat in Brasilien einen so hohen Stand erreicht, daß das Ausland davon profitieren möchte. Wie wichtig dieser Wirtschaftszweig geworden ist, zeigt auch die Existenz eines eigenen Verbandes Abrablin - Associação Brasileira de Blindagens. Laut Verband koste ein für den Irak ausreichend geschütztes Fahrzeug 100.000 US$, wobei wie oft üblich bei Zahlenangaben in Lateinamerika nicht klar ist, was wirklich gemeint ist, d.h. ob das Fahrzeug selbst in diesem Wert eingeschlossen ist. Bei einem S600 wahrscheinlich nicht, aber der wird besser auch nicht nachgerüstet, sondern gleich gepanzert bestellt und im Werk entsprechend gebaut. In Kriegsgebieten
handelt sich mindestens um einen Schutz gegen Schüsse mit M 16 - oder AK 47 - Gewehren, d.h. 42 mm - Scheiben und 10 mm - Stahlplatten mit einem Gewicht von 700 bis 900 kg je nach Fahrzeugtyp. Für den Alltag in São Paulo reichen 21 mm - Scheiben und 3 mm - Stahlplatten mit einem Gewicht von 150 bis 200 kg, wie beruhigend!

Der Real feierte übrigens im Juni seinen zehnjährigen Geburtstag und konnte dabei auf eine gegenüber früher minimale Inflationsrate zurückblicken, allerdings auch auf eine starke und wie es ex - Präsident Cardoso heute zugibt - zu späte Abwertung. Bei seiner Schaffung war der Real dem US - Dollar gleichwertig und anschließend sogar teurer. Heute allerdings kostet der Dollar, nachdem der Kurs vorübergehend fast 4 Real erreichte, um die 3 Real, was die Exporteure immer noch glücklich macht.
Der Kfz - Markt im Mai 2004
Es geht aufwärts! Im Wonnemonat Mai wurden 4,3 % mehr Fahrzeuge produziert als im April, per Mai sogar 12 % mehr als im gleichem Vorjahreszeitraum. Geht es aufwärts? Ja , aber vor allem im Ausland, denn die guten Produktionszahlen (177.300 Einheiten pro und 849.000 per Mai 2004) wurden vor allem durch den  Export möglich, der wertmäßig per Mai 2004 um 57 % auf 2,9 Mrd. US$ gestiegen war. Im Inland half die gute Ernte, es wurden mehr Pick ups, Traktoren und LKWs verkauft. Insgesamt stieg der Inlandsabsatz im Vergleich zum April um 6,6 % und per Mai gegenüber dem gleichem Vorjahreszeitraum um 7,9 %. Bei Pick ups war dieser Wert 26 % und bei LKW 23 %. Der Absatz landwirtschaftlicher Fahrzeuge per Mai betrug 15.296 Einheiten (+ 7,7 % gegenüber dem gleichem Vorjahreszeitraum), die Produktion stieg um 24,4 % auf 26.400 Einheiten und der Export um stolze 74,9 % auf 12.420 Einheiten.

Dieser Erfolg zeichnet sich auch bei den Beschäftigungszahlen ab, die Automobilfabrikanten Brasiliens stellten seit Januar 3.150 Mitarbeiter ein und beschäftigten Ende Mai 93.951 Personen. Das sind 3,5 % mehr als Ende 2003.

Der Automobilherstellerverband ANFAVEA geht nach wie vor von 1,5 Mio. (im Vorjahr 1,42) im Inland abgesetzten Fahrzeugen für 2004 aus bei einer geplanten Produktion von knapp 2 Mio. Fahrzeugen.

Der Export, der 16 % der nationalen Produktion ausmacht, wird wahrscheinlich um 20 % gegenüber 2003 steigen und 6,6 Mrd. US$ erreichen. Der größte Abnehmer im Ausland ist nach wie vor Mexiko, aber der Markt in Argentinien wächst sehr stark und wird zunehmend wichtiger für Brasilien.

Bis Mai waren die Fahrzeugpreise bei einer Inflation von 1,83 % bereits um 9,78 % gestiegen. In diesem Jahr wurden die Fahrzeugpreise bereits sechsmal angehoben, mit der Hauptbegründung, daß die Stahlpreise von Januar 2002 bis April 2004 um 86 % angestiegen seien. Im Mai wollen die Stahlwerke wieder einen vollen Schluck aus der Pulle nehmen und kündigten eine 12%ige Preiserhöhung an, damit  werden aus den 86 praktisch 100 %. Im selben Zeitraum stiegen die Preise für andere Metalle um 65 %, für Gummi um 60 % und für Kunststoffe um 52 %. Die Fahrzeugpreise stiegen ab Werk für den Händler um 41 % (Inflationsindex IGPM 42 %) und für den Endkunden um 27 %.

Arbeitslosenzahlen fallen
Im Mai 2004 betrug die Arbeitslosenquote in den sechs Ballungsgebieten Brasiliens 12,2 % gegenüber 13,1 % im April. Im Mai 2003 waren es 12,8 %, also ist laut IBGE eine einwandfrei Verbesserung eingetreten, aber noch keine Trendwende. Eine Verbesserung, hervorgerufen vor allem durch die Stadt São Paulo und nicht durch ihre Industrie, sondern durch Ausbildungsstätten, öffentlichen Dienst, Gesundheitsunternehmen und Dienstleistern. Leider waren die fallenden Arbeitslosenzahlen auch von einem weiter fallendem mittlerem Realeinkommen begleitet, der Rückgang betrug 0,7 % gegenüber dem Vormonat und 3,3 % gegenüber dem Mai 2003. Daß diese Werte nicht noch schlechter ausfielen, lag wieder an São Paulo, wo das mittlere monatliche Realeinkommem im Mai 2004 gegenüber dem Vormonat um 2 % auf 1.009,70 R$ und im Vergleich zum Mai 2003 um 0,3 % wuchs! In den sechs betrachteten Ballungsgebieten wurden im Mai 148.000 Arbeitsplätze geschaffen, davon 120.000 in Groß - São Paulo. Die Fundação Seade nennt für Groß - São Paulo sogar 157.000 neue Arbeitsplätze.
Attraktivität Brasiliens für ausländische Investoren erreicht neuen Höchstwert
Laut einer UNO  - Befragung (Conferência da ONU para o Comércio e Desenvolvimento - Unctad) der größten internationalen Unternehmensgruppen  sehen diese Brasilien gleich hinter China, was die Attraktivität für Investitionen und Geschäftsmöglichkeiten 2004/2005 angeht. Die befragten Firmen setzen 2,1 Billionen US$ jährlich um und beschäftigen 5,1 Mio. Personen. Die lateinamerikanischen Länder erscheinen in der unter der Leitung von Karl Sauvant erstellten Studie in dieser Reihenfolge: Brasilien, Mexiko, Argentinien, Chile, Venezuela. Dieser ist der Ansicht, daß Brasilien durch die Entwertung des Real ein sehr günstiger Standort für Exporteure geworden ist und deshalb neue Firmen aus dem Ausland anziehen wird.

Präsident Lula stellte am  22. und 23.6.04 in New York im Waldorf Astoria, begleitet von 7 Bundesministern, US - amerikanischen Investoren dar, warum Brasilien kein Risiko für sie bedeute - es gäbe keine Erd- oder Seebeben und keine Vulkane in Brasilien und das Land sei auch in keinen Krieg verwickelt - was für eine geschickte Anspielung! Hoffentlich waren die Anwesenden alle Demokraten und keine Republikaner. Was er vergaß zu erwähnen, war (so lautet ein brasilianischer "Scherz"), daß Gott zum Ausgleich einen bestimmten Menschenschlag ins Land gesetzt hat, was sich auf dieses nicht unbedingt positiv ausgewirkt hat. Übrigens betrugen die ausländischen Direktinvestitionen im Mai 2004 nur 207 Mio. US$ anstelle der erwarteten 660 Mio. US$, der schlechteste Mai-Wert seit 1994.

Attraktivität Brasiliens für ausländische Investoren soll verbessert werden
Die brasilianische Regierung  hat die  obige UNO - Studie wahrscheinlich nicht gelesen oder weiß mehr als deren Verfasser.Sie ist nämlich besorgt, daß multinationale Unternehmen Brasilien links liegen lassen oder sogar verlassen könnten, wobei links wirklich nicht politisch gemeint ist. Bis 2001 war Brasilien eines der Lieblingsländer der Multis; laut A. T. Kearney waren in 2001 nur die USA und die Volksrepublik China attraktiver für Geschäftsausweitungen. In 2002 rutschte Brasilien dann vom dritten auf den dreizehnten Platz ab und kämpfte sich letztes Jahr auf den neunten Platz vor. Wenn man bestimmte Segmente isoliert betrachtet, sieht Brasilien nicht immer gut aus. Beim Einzelhandel einschließlich der großen Supermarktketten und Warenhäuser kommt laut A. T. Kearney Brasilien noch nicht einmal unter die ersten dreissig Länder. Daß  Brasilien wie Indien (nicht ganz so) billige Arbeitskräfte hat, ist bei deren schwacher Qualifikation kein Vorteil.

Industrielles Wachstum

Mai 04 - April 04 (%)
Mai 04 - Mai 03 (%)
per Mai 04 (%)
letzte 12 Monate bis Mai 04 (%)
Stahl
- 0,5
+ 2,7
+ 5,3
+ 3,9
Pappe
+ 5,6
+ 15,7
+ 8,4
- 3,7
Fahrzeuge
+ 2,7
+ 7,6
+ 12,1
+ 5,5
Gesamtindustrie + 2,1
+ 7,9
+ 6,5
+ 2,8

U-Bahnausbau in São Paulo
Die sogenannte grüne Linie wird von der Baufirma Andrade Gutierrez mit einem Budget von 462 Mio. R$ ausgebaut, was 600 Arbeitsplätze bedeutet. Dieser Wert soll im Oktober erreicht werden, am 24.6.04 waren es 163 Personen, die im Mai eingestellt worden waren.
Brasilianer haben 82 Mrd. US$ im Ausland
Alle brasilianische und in Brasilien ansässige ausländische natürliche und juristische Personen müssen ihr Auslandsvermögen angeben, wenn dieses 100.000 US$ übersteigt. Da die Strafe bei Nicht- oder Falschangabe bis zu 20 % des korrekten Wertes (die Höchststrafe ist 250.000 R$) beträgt, hat die Zentralbank wahrscheinlich einen guten Überblick über diese Auslandsvermögen. Danach stieg dieser Wert im ersten Regierungsjahr Lulas von 72,324 Mrd. US$ um 13,4 % auf 82,057 Mrd. US$. Von 2001 auf 2002 war die Steigerung 5,4 %. In 2004 erhielt die Zentralbank die diesen Zahlen zugrundeliegenden Erklärungen von 10.451 natürlichen und juristischen Personen.

Millionäre in Brasilien und anderswo
Am 15.6.04 konnte es nicht länger verheimlicht werden, denn eine an diesem Tag veröffentlichte Studie von Merrill Lynch und Capgemini brachte es an den Tag: Im ersten Amtsjahr des sozialistischen Präsidenten Lulas wuchs die Zahl der Dollarmillionäre in Brasilien um 5.000 Personen. Die schöne Bezeichnung "Dollarmillionär" steht jedem zu, der Finanzanlagen von mindestens einer Million US$ sein eigen nennen kann. Ende 2001 wurden in Brasilien 90.000 Dollarmillionäre (0,05 % der Bevölkerung) gezählt, 2002 waren es unter Fernando Henrique Cardoso, der sicher nicht zu den Sozialisten gerechnet werden kann - die "Linken" nannten ihn einen "Neoliberalen", was nicht als Lob gedacht war - nur 75.000 und 80.000 Silvester 2003. Dazu paßt leider nicht der Rückgang des BIP in 2003 um 0,2 % und  des Einkommens der Arbeiter um 12,5 % bei einer mittleren Arbeitslosenquote von 12,3 %.

Weltweit stieg die Anzahl der Dollarmillionäre letztes Jahr um 7,7 % auf 7.700.000 Personen, die zusammen 28,8 Billiarden US$ besaßen. Demgegenüber "leben" 1,1 Mrd. Personen, also 21,3 % der aktuellen Weltbevölkerung,  von weniger als 1 US$ pro Tag.

Allerdings ist die Welt auch der Millionäre ungerecht, wächst doch deren Zahl in Nordamerika und in Asien schneller als in Lateinamerika und Europa! In den USA wuchs die Zahl der Reichen um 14 % und betrug 2,272 Millionen, das ist der Rekord unter den 68 betrachteten Ländern. Aber die letzten Kommunisten dieser Welt, die Rotchinesen, konnten immerhin 12 % Wachstum verzeichnen, wenn auch die absolute Zahl von 236.000 noch etwas kümmerlich ist. Trotzdem sollten sich die vorletzten Kommunisten dieser Welt, nämlich die Kubaner, ein Beispiel daran nehmen. In Indien betrug das Wachstum 22 %, die absolute Zahl der Millionäre 61.000 - vom Land der Maharadschas hätte man auch mehr erwarten können. Das kleine  Hongkong hatte Ende letzten Jahres 30 % mehr Millionäre, nämlich 45.000, als am Jahresanfang und in Spanien waren die entsprechenden Zahlen 18 % und 129.000. Lateinamerika hatte Ende 2002 nur 201.000 Millionäre, also weniger als Rotchina Ende 2003. Ende 2003 gab es in Lateinamerika 270.000 Personen mit dem Status des Dollarmillionärs.

Und die Zukunft sieht rosig aus; bei einer prognostizierten Wachstumsrate von 7 % im Jahr für ihren Reichtum werden auf dieser schönen Welt in 2008 den Dollarmillionären 40,7 Billiarden US$ gehören.

Schulden
72 % der Konsumenten Groß - São Paulos sind verschuldet. Im vergangenem Monat sagten 46 % der Schuldner, daß sie mit der Tilgung im Verzug seien.
12 Mrd. US$ - Programm der Eletrobrás
Am 30. Juni will die staatliche Eletrobrás in Rio 115 Kaufverträge über das nach eigenen Angaben weltgrößte Programm für alternative Energie (3.300 MW) unterzeichnen. Der Jahreswert beträgt 600 Mio. US$ - und das zwanzig Jahre lang! Verbunden damit sind Investitionen von 8,6 Mrd. R$ innerhalb von 30 Monaten, davon 4 Mrd. R$ für Maschinen und Ausrüstungen. Der Großteil davon soll im Lande gekauft werden und dadurch ca. 150.000 direkte Arbeitsplätze schaffen.
Telmex
Am 28. Juni kündigte die mexikanische Telmex an, daß sie 370 Mio. US$ investieren werde, um zusammen mit der Globopar die Kontrolle des Kabelfernsehanbieters Net zu übernehmen. Net investiert seit längerem kaum noch, weil die Netzkapazität gerade mal zu 25 % ausgenutzt ist - kein Wunder bei den monatlichen Gebühren,  die zu den höchsten der Welt gehören.  Als ich vor drei Jahren umzog (500 m weiter weg!), wollte Net kein 50 m langes Kabel installieren und verlor mich daher an das Satellitenfernsehen.
Arcelor
Die französische Firma engagiert sich immer stärker in Brasilien, diesmal kaufte sie den Stahlhersteller CST (Companhia Siderúrgica de Tubarão) von der Vale do Rio Doce für 578,5 Mio. US$.

Export
In 2006 wird der Export Brasiliens wahrscheinlich die 100 Mrd. US$ - Grenze überschreiten, vor allem durch  den Handel mit  landwirtschaftlichen Erzeugnissen, an erster Stelle Sojabohnen und -öl. Die Infrastruktur dafür - Straßen, Eisenbahnen und Häfen - muß aber stark verbessert werden.

Messen und Ausstellungen im Juli 2004
 
AEROTEC 2004 - Internationale Technologieausstellung für Materialien, mechanische Komponenten, Bauteile und Produktionsprozesse der Luft- und Raumfahrtindustrie vom 21. bis 23. Juli 2004 (10 - 19 Uhr)

AGROTEC 2004 - Internationale Messe für Agrobusinesstechnologie vom 7. bis 9. Juli 2004 (10 - 21 Uhr)

TECHNOLOGIEMESSE FÜR UMWELTSANIERUNG und feste Rückstände  vom 5. bis 7. Juli 2004 (10 - 20 Uhr)

FRANCAL 2004 - 36. Messe für Schuhe, Modeassessoires, Maschinen und Komponenten vom 13. bis 16. Juli 2004 (13. bis 15.: 10 - 20 Uhr, am 16.: 10 - 17 Uhr)

GOURMET & CIA - 4. südbrasilianische Gastronomiemesse vom 28. Juli bis 1. August (Mittwoch und Freitag: 17 - 22 Uhr, Sonnabend: 14 - 22 Uhr, Sonntag: 14 - 21 Uhr)


Messen und Ausstellungen im August 2004

29. HAUSHALTSWAREN- UND GESCHENKMESSE SÜDAMERIKA vom 21. bis 24. August 2004 (9 - 19 Uhr)

2. SPORTMESSE SÜDAMERIKAvom 28. bis 31 . August 2004 (9 - 19 Uhr)

3. DOMUS - LINIE SÜDAMERIKA - Möbelsalon vom 21. bis 24. August 2004 (9 - 19 Uhr)

COMDEX SUCESU - SP Brasil 2004 -  Internationale Informatik- und Telekommunikationsmesse und Kongress vom 17. bis 20. August 2004 (13 - 21 Uhr)

EXPO LOGÍSTICA 2004 - 5. Messe für Logistikprodukte, -dienstleistungen und -lösungen vom 16. bis 18. August 2004 (8 - 19 Uhr)

EXPOLAZER 2004 - 13. Internationale Messe für Produkte und Dienstleistungfen für Schwimmbecken,  Themenparks und Freizeit vom 11. bis 14. August 2004 (13 - 21 Uhr)

EXPOMAC - 15. südbrasilianische Messe der metallverarbeitenden Industrie vom 10. bis 14. August (Dienstag bis Freitag: 15 - 21 Uhr, Sonnabend: 14 - 19 Uhr)

FI - FOOD INGREDIENTS SOUTH AMERICA - Internationale Messe für Lösungen und Technologien für die Lebensmittelindustrie vom 31. August bis 2. September 2004 (13 - 20 Uhr)

FICOPAM - Internationale Messe für die Kontrolle der Umweltverschmutzung vom 25. bis 27. August 2004 (13 - 21 Uhr)

FIRE SHOW - Internationale Messe für die Verhütung und Bekämpfung von Bränden vom 25. bis 27. August 2004 (13 - 21 Uhr)

FISP - Internationale Messe für Sicherheit und Schutz vom 25. bis 27. August 2004 (13 - 21 Uhr)

FOOD SAFETY & HYGIENE - Internationale für Lebensmittelsicherheits und -hygienemesse für die Lebensmittelindustrie vom 31. August bis 2. September 2004 (13 - 20 Uhr)

FORMÓBILE 2004 - Internationale Messe für Zulieferer der
Möbelindustrie vom 4. bis 7. August 2004 (14 - 21 Uhr)

INFOTEL - 3. Messe und Kongress für Informatik- und Telekommunikationstechnologien und -geschäfte vom 25. bis 28. August 2004 (Mittwoch bis Freitag: 15 - 21 Uhr, Sonnabend: 14 - 19 Uhr)

MOVINTER 2004 - 5. Möbelmesse des Bundesstaates São Paulo vom 10. bis 14. August 2004 (Dienstag bis Freitag: 13:30 - 20:00, Sonnabend: 11 - 19 Uhr)

PHOTOIMAGE BRAZIL - Internationale Bildmesse vom 10. bis 13. August 2004 (11 - 19 Uhr)

SET 2004 - BROADCAST & CABLE - Internationale Messe für Ausrüstungs- und Dienstleistungstechnologien für TV-, Radio- und Telekommunikationsengineering vom 25. bis 27. August 2004 (12 - 20 Uhr)

TECNOBEBIDA LATIN AMERICA - Internationale Messe für Lösungen und Technologien für die Getränkeindustrie vom 31. August bis 2 September 2004 (13 - 20 Uhr)

TEXTILHOME - Internationaler Salon für Bett, Tisch und Bad sowie Heimtextilien vom 18. bis 21. August 2004

TRAFFIC - Internationale Messe für Verkehrswegtechnologie und Autobahnausrüstung vom 25. bis 27. August 2004 (13 - 21 Uhr)


 Messen und Ausstellungen im September 2004
 
COSMOPROF COSMÉTICA - Internationale Schönheitsmesse vom 11. bis 14. September 2004 (11 - 20 Uhr)
 
COUROMODA ORIENTE MÉDIO - brasilianischer Pavillion auf der Al Hida'a - Messe im September 2004

DECORE - 6. Ausstellung für Innenarchitekten vom 10. bis 19. September 2004 (Dienstag bis Freitag: 17 - 22 Uhr, Sonnabend: 14 - 22 Uhr, Sonntag: 14 - 21 Uhr)

EQIPOTEL 2004 - 42. Internationale Messe für Ausrüstungen, Produkte und Dienstleistungen für Hotels, Apartements, Motels, Restaurants, Fast Food, Bars, Imbissstuben, Industrieküchen, Krankenhäuser u.ä. vom 27. bis 30. September 2004 (10 - 19 Uhr)

EXPO CACHAÇA 2004 - Das brasilianische Weltgetränk vom 16. bis 19. September 2004 (14 - 22 Uhr)

EXPO CONSTRUÇÃO BAHIA 2004 - 4. Messe für Bautechnologien, -maschinen und -ausrüstungen vom 17. bis 21. September 2004 (15 - 22 Uhr)

EXPOCON - 7. Messe der Bauindustriezulieferanten vom 30. September bis 3. Oktober 2004 (Donnerstag bis Freitag: 16 - 22 Uhr, Sonnabend: 14 - 22 Uhr, Sonntag: 14 - 20 Uhr)

FEHAB - Internationale Bauindustriemesse vom 21. bis 25. September 2004 (14 - 21 Uhr)

FEIPACK 2004 - Südbrasilianische Verpackungsausstellung vom 15. bis 18. September 2004 (Mittwoch bis Freitag: 15 - 22 Uhr, Sonnabend: 14 - 19 Uhr)

FENAC VERÃO ESTILO COUROMODA 2004 - 48. Internationale Schuh- und Lederwarenmesse im September 2004 (10 - 19 Uhr)

FENASUCRO 2004 - XII. Internationale Messe der Zucker- und Alkoholindustrie vom 14. bis 17. September 2004 (11 - 18 Uhr)

FESQUA - Internationale Messe für Fenstereinsätze, Baumetallteile und -komponenten vom 15. bis 18. September 2004 (14 - 21 Uhr)

FIAFLORA - Internationale Messe für Landschaftsgestaltung, Gartenbau und Blumenzucht vom 2. bis 5. September 2004 (11 - 19 Uhr)

FIIEE MINAS GERAIS - Internationale Messe der Elektro- und Elektronikindustrie vom 21. bis 24. September 2004

HELITECH 2004 LATIN AMERICA - Konferenz und internationale Ausstellung für Hubschraubertechnologie und -betrieb vom 21. bis 23. September 2004 (10 - 19 Uhr)

IMOBILIÁRIA PR - 13. Immobilienmesse Paraná vom 10. bis 19. September 2004 (Montag bis Freitag: 17 - 22 Uhr, Sonnabend: 14 - 22 Uhr, Sonntag: 14 - 21 Uhr)

INTERSEG 2004 - IV. Messe und internationale Konferenz für Technologie, Dienstleistungen und Produkte der öffentlichen Sicherheit für Südamerika vom 12. bis 14. September 2004 (9 - 20 Uhr)

MULTIMINAS BRASIL - VI. Nationale Turismusmesse im September 2004

BRASILIANISCHER PAVILLON AUF DER EXPOCRUZ - XXIX. Internatioanle Messe von Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) vom 16. bis 26. September 2004 (16 - 24 Uhr)

PET SOUTH AMERICA - Internationale Messe für Veterinärtechnik und Produkte und Dienstleistungen für Haustiere vom 29. September bis 1. Oktober 2004 (13 - 20 Uhr)

TECNOHAB - Bautechnologie- und -qualitätssalon vom 21. bis 25. September 2004 (14 - 21 Uhr)

TELEEXPO WIRELESS 2004 vom 17. bis 18. September 2004

TUBOTECH - Internationale Messe für Rohre, Flansche, Ventile und Komponenten vom 15. bis 18. September 2004 (14 - 21 Uhr)


BRUTTOINLANDSPRODUKT
Die  zurückgehende Arbeitslosigkeit und andere positive Faktoren veranlaßte das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung IPEA, die Prognose für das BIP - Wachstum von bisher 3,5 auf 4 % für dieses Jahr anzuheben. Im ersten Vierteljahr 2004 betrug das BIP 387,7 Mrd. R$ (Landwirtschaft 42 Mrd. R$, Industrie 130,14 Mrd. R$, Dienstleistungen 189,86 Mrd. R$, Steuern auf Produkte 43,46 Mrd. R$), 2,7 % mehr als im ersten Vierteljahr 2003 und 1,6 % mehr als im letztem Vierteljahr 2003.
Agip
Die Firma wurde in Brasilien von der Petrobrás für 450 Mio. US$ von der italienischen ENI übernommen. Damit steigt der Kraftstoffmarktanteil der BR Distribuidora von 31 auf 35 %. Agip vertreibt Flaschengas, Kfz - Treibstoff und Schmiermittel:

Flaschengas
Marken: Liquigás, Tropigás, Novogás
Absatz 2003: 1,34 Mio. Tonnen
Marktanteil: 21,4 %
Abfüller: 25
Handelsläger: 28

Kfz - Treibstoff
Tankstellen: 1544
Marken: Agip, Ipê und Companhia São Paulo (Tankstellen), Hora Extra und Shop Bar (convenience - Läden)
Marktanteil: 4,2 %
Tankkapazität: 100 Mio. Liter

Schmiermittel
Anzahl Produkte: 200
Anzahl Verkaufsstellen: 5000
Marktanteil: 3 %

Nach dem Kauf der Agip durch die Petrobrás verteilen sich die Marktanteile bei Flaschengas, welches in einem Land, wo Elektroherde fast unbekannt sind, sehr wichtig ist, so (Januar bis Mai 2004):
24,4 % Ultragaz
21,9 % BR
18,4 % Nacional Gás Butano
12,6 % Supergasbrás
11,2 % Minasgás
7,4 % Copagaz
1,5 % Fogás
0,6 % Amazongás
2,1 % andere

Treibstoffmarkt
Der Treibstoffmarkt in Brasilien setzt im Jahr 115,7 Mrd. R$ um, davon sind bis zu 60 % Steuern, eine Einladung zur Hinterziehung bei den wenigen Kontrollen. Und dieser Einladung wird nachgekommen, die nicht abgeführten Steuern sollen 10 Mrd. R$ jährlich betragen. Und allein für den Bundesstaat São Paulo wird geschätzt, daß monatlich 93 Mio. Liter durch Lösungsmittel "gestreckter" Treibstoff verkauft werden.

Brasilien ist Pionier bei der Verwendung von Zuckerrohralkohol als Kfz - Treibstoff gewesen und hat 30 Jahre nach Schaffung des Proálcool - Programmes endlich auch den Biodiesel entdeckt. Ab 2005 sollen dem Dieselöl 2 % Biodiesel, welcher z.B. aus Mamomaöl gewonnen werden soll, beigemischt werden. Das hört sich wenig an, aber diese 2 % entsprechen 800 Mio. Liter. In Brasilien werden übrigens keine Diesel - Pkw gebaut, dieser Kraftstoff ist ausschließlich Lkws, Bussen und Lokomotiven vorbehalten. Diese Bestimmung stammt noch aus der Zeit, als auch Reservekanister (bis heute) verboten wurden und man am Wochenende nicht tanken durfte und folgerichtig nicht weiter als 250 km fahren konnte, wenn man mit einer Tankfüllung an den Ausgangspunkt seiner Reise noch am Sonntag zurückkehren wollte. Aber die Bestimmung hat auch heute noch eine gewisse Berechtigung, weil Brasilien 15 % des zur Zeit verbrauchten Dieselöls importieren muß, das sind 6 Mrd. Liter bzw. 1,2 Mrd. US$ im Jahr. Eine Besonderheit Brasiliens ist ein Dieseltreibstoff, der aus der Vermischung von Zuckerrohralkohol mit Pflanzenölen gewonnen wird und damit 100%ig "nachwächst".

BNDES
Die staatliche Entwicklungsbank stellte mit 1,099 Mrd. R$ Gewinn im ersten Vierteljahr 2004 einen Rekord auf. Bisheriger Rekordhalter war die Privatbank Itaú mit 876,1 Mio. R$ für drei Monate. Der Vierteljahresgewinn der BNDES ist übrigens höher als der gesamte Vorjahresgewinn von 1,037 Mrd. R$, der höchste in der Geschichte der Bank, der wohl Ende 2004 der Geschichte angehören wird.

Vierteljährliche Spar- und Investitionsrate (% vom BIP)

Investitionsrate
Sparrate
1. VJ 2001
20,6
17,9
2. VJ 2001
19,9
17,1
3. VJ 2001
19,6
18,9
4. VJ 2001
18,0
13,4
1. VJ 2002
18,6
18,3
2. VJ 2002
18,0
18,4
3. VJ 2002
18,6
21,4
4. VJ 2002
18,1
16,1
1. VJ 2003
18,7
21,1
2. VJ 2003
17,2
21,6
3. VJ 2003
18,1
23,0
4. VJ 2003
18,2
17,5
1. VJ 2004
19,3
23,4
Die hohe Sparrate ist übrigens keiner Tugend zu verdanken, sondern eher der Angst vor Arbeitslosigkeit und führt dazu, daß weniger ausgegeben wird, also weniger produziert werden muß, also weniger Arbeitskräfte gebraucht werden...

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