BRASILIEN AKTUELL PER 31. MAI 2004
von
Karlheinz K. Naumann
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DER
KOMMENTAR DES MONATS
L´état,
c'est moi! An diesen Aus- und Anspruch des
französischen Königs Louis Quatorze wird man
unwillkürlich
erinnert, wenn man die Reaktion Lulas
auf einen Artikel in der New York
Times über seine angeblich (zu) große Vertrautheit
mit
alkoholischen Getränken im April 2004 nachvollzieht, die zuerst
darin bestand, dem in Rio lebenden US - amerikanischen Verfasser das
Visum zu entziehen, um dann angesichts der überwiegend negativen
in- und ausländischen Reaktion in einen Rückzieher verwandelt
zu werden, der nur dadurch einigermaßen elegant wurde, weil der
Justizminister Hilfestellung leistete. Der während der
Entscheidung des Präsidenten, das Visum eines US - Bürgers
(böse Zungen behaupten, dies wäre einem Europäer in
gleicher Situation nicht passiert) zu kanzellieren, in der Schweiz
weilte und nach Presseberichten seinen Rücktritt androhen
mußte, um seine Lösung durchzusetzen. Aber Lula befindet
sich, was Empfindlichkeit angeht, in guter Gesellschaft, hat doch
schließlich der deutsche Bundeskanzler wegen der Behauptung, er
würde seine Haare färben, auch schon gegen Pressevertreter
geklagt (glücklicherweise unter Vermeidung eine Gegenklage der Hersteller von Haarfärbemitteln wegen
Geschäftsschädigung), ohne allerdings seine Person mit dem
Amt zu verwechseln.
Denn hier zeigt sich der große Unterschied;
der deutsche Kanzler rief die Justiz an, während der
brasilianische Präsident ein Gesetz angeblich aus der Zeit der
Militärdiktadur anwandte, um einen unliebsamen Reporter zum
Schweigen zu bringen und um die Ehre Brasiliens zu retten. Wie gut,
daß Präsident Bush nicht so
empfindlich ist, er hätte zur Zeit genug Grund, zu klagen. Auch
unser früherer Bundespräsident Erhard war nicht so
mimosenhaft, als er von kläffenden Pintschern sprach und dann
nicht weiter auf Presseangriffe einging. Am Rande bemerkt, der
frühere brasilianische Präsident Janio Quadros beantwortete
die Frage, warum er trinke, sinngemäß mit der
Begründung, weil seine bevorzugten Getränke flüssig
seien - wären sie fest, würde er sie kauen.
WICHTIG IM
NÄCHSTEN MONAT
1. - 4.6. : Messe Hospitalar im
Expocenter Norte in São Paulo, 750 Aussteller aus Brasilien und
weiteren 28 Ländern. Im letztem Jahr wurden durch die Messe 2,8
Mrd. R$ umgesetzt.
15.-17.6: Ausstellung und Kongress NETCOM
2004 im Expocenter Norte in São Paulo.
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AUS
POLITIK...
Die Chinareise
des brasilianischen
Staatspräsidenten bot wieder Platz für eine Illusion
des
Visionärs Lula, der nämlich, daß die Volksrepublik
China an einer politischen Achse zwischen Peking und Brasília
interessiert sei. Und an einer strategischen Partnerschaft im
Nuklearbereich. Daß dem nicht so ist, hat die Regierung bereits
bemerkt und ist entsprechend vorsichtiger mit ihren
Äußerungen zum Thema geworden.
Paulo Maluf, ex - Oberbürgermeister der Stadt und ex -
Ministerpräsident des Bundesstaates São Paulo sowie ex -
Präsidentschaftskandidat und aktueller Kandidat für das
Oberbürgermeisteramt der größten Stadt Brasiliens soll
zwischen 1985 und 1997 geheime Konten
bei der Citybank in Genf unterhalten haben. Im Juni 1995 gingen laut
den brasilianischen Behörden vorliegendem Kontoauszug auf einem
dieser Konten 344.426.515,46 US$ ein. Maluf streitet nach wie vor die
Existenz solcher Konten ab und bietet an, wer ihm gehörendes Geld
im Ausland fände, könne es behalten.
Die Höhe des gesetzlich vorgeschriebenen monatlichen Mindestlohnes wurde vom großem
Vorsitzenden Lula schon während seiner Oppositionszeit als absolut
ungenügend gegeißelt und eines seiner Wahlversprechen
war, für eine gerechte Erhöhung Sorge zu tragen. Die
Verfassung schreibt vor, daß der Mindestlohn ausreichen
müsse, einer durchschnittlich großen Familie die
Ausgaben für Wohnung, Lebensmittel, Gesundheit, Ausbildung,
Transport, Hygiene, Sozialversicherung und Freizeit zu
ermöglichen. Danach müßte nach heutigem Standard der
notwendige Mindestlohn (salário
mínimo necessário, wird monatlich vom Dieese - Departamento Intersindical de
Estatística e Estudos Sócio-econômicos
berechnet) 1.386,47 R$ im Monat betragen, das sind 5,8 mal soviel wie
der aktuelle Wert von 240 R$. Folgerichtig verfügte die Regierung
nach langer (sehr langer) Diskussion und schwerer Entscheidungsfindung
den neuen Wert, der einen Monat später als ursprünglich
vorgesehen in Kraft treten soll. Also beträgt, so sollte man
denken, dieser jetzt vielleicht 1.400 R$? Weit gefehlt, die
großzügige Regierung erhöhte die 240 R$ um 8,3 % auf
260 R$ und zeigte damit, daß die Kraft des Faktischen letzlich
jede Ideologie besiegen kann. Übrigens ist das letzte Wort noch
nicht gesprochen, denn damit die medida
provisória (übersetzt "vorläufige
Maßnahme", um häßliche Wörter wie "Notverordnung"
zu vermeiden) der Regierung Gesetzeskraft erlangt, bedarf es noch der
Zustimmung des Senates, die aber ziemlich fraglich ist. Denn mit einem
höherem Wert läßt sich Stimmung machen, die sich in
Wählerstimmen verwandeln soll. Und die Regierung wird dann
schon wissen, wo das fehlende Geld besorgt werden kann - die Taschen
der relativ wenigen Steuerzahler sind vielleicht noch nicht
gänzlich geleert.
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...UND
WIRTSCHAFT
Ein gutes Geschäft
nennt man
in Brasilien ein "negócio da China" und dieses wollten
sich 480
brasilianische Unternehmer nicht entgehen lassen und schrieben sich als
Begleiter von Präsident Lula auf
seiner Chinareise im Mai 2004
ein. Einer von ihnen war Roberto Vedovato, Präsident der
brasilianischen Fiat - Niederlassung. Fiat hat in 2003 bereits für
44 Mio. US$ Gußstücke und Fahrzeuge nach China exportiert
und ein Firmenvertreter wird im Juni zusammen mit Luiz Fernando Furlan,
dem Entwicklungsminister, wieder nach China fliegen, um diesen
Wert substanziell zu erhöhen. Die brasilianischen Ausfuhren nach
China erhöhten sich in 2003 um 80 %, damit wurde das Land nach den
USA und Argentinien der größte Käufer brasilianischer
Erzeugnisse, in diesem spezifischem Fall Eisenerz und Soja. Mit
industriellen Produkten kann Brasilien in der Volksrepublik keine
Begeisterung auslösen, dazu ist die Wettbewerbsfähigkeit
Chinas zu groß, aber die brasiliansiche Agroindustrie
einschließlich der Biotechnologie hat durchaus gute
Geschäftsmöglichkeiten. Der Bedarf Chinas auf diesem Gebiet
ist groß, weil das Land zwar 22 % der Weltbevölkerung
beherrbergt, aber nur über 6 % der bewirtschaftbaren Fläche
verfügt. Brasilien sieht auch Chancen für Leder, Kfz - Teile,
Baumaterial, Möbel, Dekorationsartikel und Fleisch, außerdem
im Energiesektor.
Souza Cruz, der größte
Zigarettenhersteller des Landes mit Hauptsitz in Rio de Janeiro,
mußte
den Preis seiner Billigmarke Derby von 1,10 auf 1,00 R$ pro Packung
reduzieren, weil man auf dem Schwarzmarkt Zigaretten für 0,89 R$
bekommt. Diese Rentabilitätsminderung einer BAT - Gruppenfirma
mögen
viele gesundheitsbewußte Leute sogar begrüßen, aber
die Medaille hat
bekanntlich zwei Seiten. So wird der illegale Zigarettenmarkt auf
jährlich 1,8 Mrd. R$ geschätzt und selbst der Getränke-
und
Treibstoffhandel ist von der Schattenwirtschaft,
die sich auf
Steuerhinterziehung, Schmuggelei, Schwarzarbeit und
Schutzrechtsverletzung stützt, betroffen, ja, sogar der
Brillensektor, von CDs garnicht zu sprechen. In den achtziger Jahren
hatte Rio 30 Brillenfabriken, heute sind es vier, aber dafür kann
man
auf der Straße geschmuggelte chinesische Brillen für 5 R$
kaufen.
Deshalb Vorsicht bei der Beurteilung von Arbeitslosenzahlen, allein in
den ersten vier Monaten des Jahres wurden 400.000 informelle
Arbeitsplätze in Brasilien geschaffen. Mehr als ein Dittel der
Arbeitsplätze des Landes sind informell, aber garantieren
wenigstens
den Lebensunterhalt von 6,7 Mio. Arbeitskräften in den
Großstädten.
Aber sie verursachen z.B. im Bundesstaat Rio auch jährlich den
Verlust
von 760 Mio. R$ für die Firmen, die legal arbeiten, Steuern zahlen
und,
um im Geschäft zu bleiben, ruinöse Schwarzmarktpreise
praktizieren
müssen.
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FIRMENNACHRICHTEN AUS DER KOSMETIKBRANCHE
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Der brasilianische Markt für
Kosmetika, Perfums und Körperhygieneartikel, der in 1999
nur 6,6 Mrd. RS groß war, wuchs in den letzten Jahren
stetig:
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Umsatz
in Mrd. US$
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2001
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8,3
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2002
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9,5
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2003
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11,0
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2004
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15,0
(Prognose)
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Das Wachstum könnte
noch größer sein, wäre da
nicht die immense Steuerbelastung, die in einigen Fällen 75 % laut
Fachverband Abihpec betragen soll. Diese sei auch der Grund für
die hohe "Informalität" des Marktes, mit anderen Worten, viele der
Firmen zahlen keine oder nicht alle anfallende Steuern.
1.123 Firmen sind in
diesem Markt in Brasilien tätig, deren Export
betrug in 2003 etwas über 224 Mio. US$.
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Nur
15 dieser Firmen
setzen über 100 Mio. R$ jährlich um, diese Unternehmen
erreichen zusammen 73 % des Branchenumsatzes. Zu den bedeutesten Firmen
gehören Multis wie Unilever, Procter & Gamble und Avon (2,9
Mrd. R$ Umsatz in 2003), aber auch große nationale Unternehmen
wie Natura (1,9 Mrd. R$ Umsatz in 2003) und Boticário (1,5 Mrd.
R$ Umsatz in 2003, 2.240 eigene und Franchiseläden). |
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Börsengang von Natura
Natura ging im Mai
an die Börse
und verkaufte auf Anhieb 21,75 % der vorhandenen Aktien, 30 % an
brasilianische Anleger, 70 % an ausländische. An ihrem ersten
Börsentag stieg der Wert der Naturaaktien um 15,6 % und ihr Erwerb
durch 4.800 Kleinaktionäre für 160 Mio. R$ machte 14 % des
Gesamtbörsenumschlages aus. Die Nachfrage nach Naturaaktien war
zehnmal größer als das Angebot. Der Wert der Firma
beträgt gemäß dem Aktienkurs, der am Ausgabetag 42,20
R$ erreichte, 3,4 Mrd. R$.
Die Firma machte den Börsengang nicht, um das Eigenkapital zu
erhöhen, sondern verkaufte vorhandene Aktien und der Erlös
floß direkt den bisherigen Alleininhabern Antonio Luis Seabra,
Guilherme Leal (co-presidente do
conselho de administração) und Pedro Passos (presidente executivo) zu.
Die Pläne der Firma sehen für die nahe Zukunft eine Filiale
in Paris als Ausgangspunkt für den Eintritt in den
europäischen Markt vor. Erste Produktlinie dafür wird die
Marke Ekos sein, die natürliche Ingredienzien aus der
Amazonasregion verwendet.
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Natura in Zahlen
- 35,5 Mio. R$ Investitionen in 2003
- 375.000 autonome Verkäuferinnen
- aktiv in Brasilien, Peru, Chile, Argentinien
- 140 Mio. Einheiten Jahresproduktion
- 20,8 % Umsatzwachstum 2002/2001
- 35,4 % Umsatzwachstum 2003/2002
- 1,168 Mrd. R$ Umsatz und 9,5 Mio. R$ Nettogewinn in
2001
- 1,411 Mrd. R$ Umsatz und 21,7 Mio. R$ Nettogewinn in
2002
- 1,910 Mrd. R$ Umsatz und 63,9 Mio. R$ Nettogewinn in
200
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Naturas Firmengeschichte
1969 gründete
Antonio Luiz da Cunha Seabra mit einem Darlehen seines bisherigen
Arbeitgebers Pierre Berjeaut und dessen Sohn Jean als Teilhaber die
Natura und startete als Hinterhoffirma mit 7 Mitarbeitern. Der erste
Laden wurde in der Rua Oscar Freire in São Paulo eröffnet
und der Umsatz wuchs stetig durch Mund zu Mund - Propaganda mit einem
Minimum an Werbung.
In 1980 traten neue Teilhaber in die Firma ein und
der Gründer verließ sie nach einer Aktionärskrise. Zu
diesem Zeitpunkt war der Umsatz schon um das 35fache seit der
Gründung gewachsen. Den nächsten Sprung machte Natura mit der
Verpflichtung von Führungskräften mit Erfahrung aus
multinationalen Firmen für die Geschäftsleitung.
Heute
hat das Unternehmen 3.000 direkte Mitarbeiter, dazu 1.000 temporär
verpflichtete sowie Fremdvergabekräfte. Die neue Fabrik in
Cajamar auf einem 643.000 Quadratmeter großem Gelände wurde in
2001 eingeweiht und produziert jährlich
140.000.000 Einheiten Kosmetika, Perfums und Körperhygieneprodukte.
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Weitere
Firmen- und Branchennachrichten
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CVRD
Die Companhia Vale do Rio Doce Novas
prüfte Ende Mai mit der indischen Firma Ircon, ehemals Indian
Railway Construction, eine Zusammenarbeit in Moçambique, um
Kohle abzubauen und zu transportieren. Eine andere indische Gruppe,
Tata, könnte ein neuer Partner für den Abbau von Nickel in
Pará werden. Tata ist daran interessiert, in Brasilien zu
investieren - im Gegensatz zu manchen deutschen Firmen, die es
vorziehen, ihren brasilianischen Exportmarkt ohne zu investieren mit
Provisionen aufzubauen, die letztendlich der Kunde bezahlt. Und oft die
lokale Handelsorganisation, die in der Hoffnung auf Provisionen in
Vorleistung tritt.
Synteko
Produtos Químicos
Synteko produziert Harze für die
holzverarbeitende Industrie
und wird dieses Jahr die Fabrik in Aracária in Paraná mit
bis zu 10
Mio. US$ ausbauen. Der Firmenhauptsitz wird von Gravataí nach
Curitiba
verlegt werden.
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Technologieerwerb
im Ausland für kleine brasilianische Firmen
Laut einer Studie des Institutes für
angewandte Wirtschaftsstudien - Ipea (Instituto
de Pesquisa Econômica Aplicada) zahlen brasilianische
Firmen, die Zugang
zu ausländischer Technologie haben, mittlere
Monatsvergütungen von 1.200 R$, Firmen ohne diesen Zugang nur 500
R$. Der Technologiezugang erhöht die Chancen, erfolgreich zu
exportierten, um 16 %. Kleinen Firmen wird empfohlen, eine Gruppe zu
bilden, um gemeinsam eine Auslandsniederlassung zu gründen und zu
betreiben.
Und als
Technologielieferanten empfehlen sich die Mitgliedsfirmen des
Firmenpools Brasilien / Mercosur der IHK Essen.
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Imbel
Die Indústria de Material
Bélico do Brasil setzt auf nationale und internationale
Partnerschaften, um exportfähig zu bleiben - der größte
Umsatzanteil der Firma wird im Auslabd erzielt. Die letzte Vereinbarung
wurde mit der europäischen EADS getroffen und sieht den Bau des
finnländischen gepanzerten Patria - Fahrzeuges in Brasilien vor.
Votorantim
Die
Votorantim Cimentos hat vor, die Auslandsinvestitionen bis 2007 von 900
Mio. US$ auf 1,8 Mrd. US$ zu erhöhen. Damit soll in drei Jahren
eine
Verdoppelung des augenblicklichen Umsatzes von 342 Mio. US$ erreicht
werden. Während dieses Zeitraumes sollen alle Gewinne aus dem
Auslandsengagement zur Ausweitung der heimischen brasilianischen
Aktivitäten verwandt werden.
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Freihandelszone Manaus
Semp Toshiba unterließ im Mai
die Fabrikation von 20.000 Fernsehapparaten, 8.000 DVD- und je
5.000 Video- und Stereogeräten. Nicht, um das von Lula
angekündigte Wachstumsspektakelzu sabotieren, sondern weil
Komponenten fehlten und fehlen. Grund ist der schon zwei Monate
andauernde Dienst nach Vorschrift der Zollbeamten in der
Freihandelszone von Manaus, die höhere Bezüge wollen und
daher die Mehrzahl der Importe rigoros prüfen (roter
anstelle grüner Kanal für die Eingeweihten), obwohl eine
gegenteilige gerichtliche Anordnung besteht, die aber - konsequenzlos
für die widerborstigen Beamten - nicht befolgt wird. Jedenfalls
muß zur Zeit davon ausgegangen werden, daß die Einhaltung
der Vorschriften eher hinderlich ist, was nicht gerade für deren
Qualität spricht. Für Brasilien bedeutet dies im Mai 20.000
Kurzarbeiter und 20 Mio. US$ Umsatzausfall der in Manaus angesiedelten
Elektronikindustrie. Der Zeitpunkt für den Bummelstreik ist
ausgezeichnet gewählt, gab es doch endlich erste Anzeichen
für eine Wiederbelebung der Nachfrage. Und Xerox darf vielleicht einen 6 Mio.
US$ - Exportvertrag an die Schwesterfirma in China abgeben, da man ja
sowieso nicht an das zu verbauende importierte Material herankommt. So
verhilft die linke Regierung Brasiliens der kommunistischen
Volksrepublik China zu Aufträgen und China kann dann den Export
von Fertigprodukten nach Brasilien erhöhen. Thomson Multimídia steht seit
Mitte Mai, 260 Mitarbeiter warten darauf, in die Fabrik gerufen zu
werden, um wieder Satellitenempfänger für die
Telekommunikationsindustrie zu montieren. Samsung Display, Hersteller von
Bildröhren für Computer kündigte an, daß man bei
unveränderter Situation 2.000 Mitarbeiter zwangsweise in die
Ferien schicken wird.
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LKW - Markt
Auch die LKW -
Hersteller leiden unter Materialmangel. Dieser bremst zur Zeit das
endlich einsetzende Wachstum. VW, DaimlerChrysler, Ford können
sich nicht über mangelnde Nachfrage gerade bei den
Schwerfahrzeugen beklagen, die Erholung der Wirtschaft in Argentinien
und der blühende Agrarmarkt Brasiliens sorgen dafür,
daß die Kassen voll sein könnten. Zumindestens voller, denn
alle drei Firmen machten zwar 2003 Gewinn im LKW - Bereich, aber nicht
genug.
Letztes Jahr wurden 77.800 Einheiten hergestellt, in diesem Jahr
rechnet man mit 85.000 bis 90.000. In den ersten vier Monaten diesen
Jahres waren es 31.600 LKW, 20,4 % mehr als im gleichem
Vorjahreszeitraum.
7.100 LKW wurden per April 2004 expotiert, das sind
sogar 165 % mehr als im gleichem Vorjahreszeitraum. Die Produktion an
schweren LKW stieg um 47 % auf 9.800 Einheiten. Das LKW - Werk von VW
in Resende arbeitete Ende Mai sechs Tage in der
Woche mit Überstunden, aber nur eine Schicht. Eine zweite soll
eingerichtet werden, sobald der Materialengpaß überwunden
ist.
Bausektor
Die Baubranche hatte per Dezember 2003 insgesamt 43.000
Arbeitsplätze in Bundesstaat São Paulo verloren und Ende
Mai erst
25.000 zurückgewonnen. Und die Aussichten sind laut Eduardo
Zaidan, Vizepräsident des Sindicato da Indústria
da Construção Civil do Estado de São Paulo
(Sinduscon-SP) immer noch nicht gut.
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PKW
- Markt
Im April ging das Pkw -
Geschäft gegenüber dem Vormonat um 18,5 % zurück, aber
gegenüber dem
April des Vorjahres stieg es um 6,2 %. Insgesamt wurden 115.458
Einheiten im April 2004 gegenüber 141.632 im März 2004 und
108.731 im
April 2003 abgesetzt. In den ersten vier Monaten 2004 waren es 469.300
Fahrzeuge.
Der Export des Aprils 2004 belief sich auf 625,583 Mio. US$,
54,4 % mehr als im gleichem Vorjahresmonat. Gegenüber dem
März 2004 war
der April allerdings schwächer, der Rückgang betrug 10,4 %.
Per April
2004 belief sich der Export auf 2,274 Mrd. US$, 58,6 % mehr als im
vergleichbarem Zeitraum des Vorjahres.
Die Aprilproduktion erreichte
169.936 Fahrzeuge, 11,6 % mehr als im April 2003, aber 11,3 % weniger
als im März 2004. Per April 2004 betrug die Produktion 672.263
Fahrzeuge, 13,4 % mehr als in den ersten vier Monaten des Vorjahres. Im
Mai 2004 wird von der Autoindustrie von 20 % mehr Absatz als im Mai
2003 ausgegangen, aber nach den Ende Mai vorliegenden
unvollständigen
Zahlen können es auch nur 12 % sein. Anfang Juni werden wir
wissen, ob
die Welt (für VW) des brasilianischen Inlandmarktes wieder in
Ordnung
ist, d.h. Anmeldung von Neufahrzeugen der Menge nach geordnet in der
Reihenfolge VW - GM - Fiat - Ford.
BIP
Aber wenigstens wuchs in den ersten drei Monaten des
laufenden Jahres um 2,7 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2003.
Bis
Jahresende 2004 sollen es 3,5 % werden.
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In Brasilien arm und krank und in
Deutschland falsch informiert
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Gesundheit
Fast 15 % der
Brasilianer sind zahnlos und es sind nicht Neugeborene, die damit
gemeint sind! Über 50 Jahre alte Frauen mit niedrigem Einkommen
sind sogar zu 55,9 % zahnlos (aber auf keinen Fall sprachlos)! Etwas
über 10 % der Bevölkerung sind fettleibig und 28,5 %
übergewichtig. Das sind Daten, die von der
Weltgesundheitsorganisation WHO ermittelt und in Brasilien von
der Fiocruz (Fundação Oswaldo Cruz) veröffentlicht
wurden. Zur Datenermittlung wurden 5.000 Familien aus ganz Brasilien
und aus allen sozialen Schichten zwischen Januar und September 2003
befragt. Ein weiteres Ergebnis: 9 % der Brasilianer schätzen den
eigenen Gesundheitszustand als schlecht oder sogar sehr schlecht ein.
Das Hauptproblem ist aber nicht organischen Ursprunges, sondern es
wurden Unlust, Sorge, Angst, Traurigkeit und Depression genannt. Im
Mittel gibt eine brasilianische Familien 19 % des Haushaltseinkommen
für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit der
Familienmitglieder aus. Bei der ärmeren Bedvölkerung schlagen
vor allem die Medikamente zu Buche, ihre Kosten machen 61 % der
Ausgaben für die Gesundheit aus. Bei den Bessergestellten sind es
die Krankenversicherungskosten, die den Löwenanteil ausmachen. 9,1
% der Brasilianer mußten bereits Güter verkaufen oder einen
Kredit aufnehmen, um Krankheitskosten zu bestreiten.
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Familieneinkommen
Der Monat ist zu lang
oder das Einkommen zu kurz, das erfahren 85 % der brasilianischen
Familien jeden Monat, wenn ihnen vor Ultimo die finanzielle Puste
ausgeht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung (POF -
Pesquisa de Orçamentos Familiares in 2002 - 2003), die Ende Mai
vom IBGE (Instituto Brasileiro de Geografia e
Estatística) veröffentlicht wurde. 27,2 % haben sehr viel
Schwierigkeiten, mit dem Einkommen auszukommen, weitere 23,7 % haben
regelmäßig Schwierigkeiten und 34,6 % haben öfter
Schwierigkeiten. Nur 15 % kommen einigermaßen leicht über
die Runden und wirklich problemlos gelingt dies nur 0,7 %. Die meisten
finanziellen Probleme hat die Bevölkerung auf dem Lande, dort sind
es 33,2 % mit erheblichen pekuniären Schwierigkeiten
gegenüber "nur" 26,1 % bei der Stadtbevölkerung. Letztere
kommt zu 5,2 % leicht über die Runden, auf dem Lande nur zu 3,4 %.
51,5 % der Familien mit einem mittlerem Monatseinkommen bis zu 400 R$
haben sehr viel Schwierigkeiten, ihre Ausgaben zu bestreiten, bei den
Familien mit einem mittlerem Monatseinkommen über 6.000 R$ sind es
nur 7 %, die über solche Probleme klagen. Deshalb ist die
Festlegung des Mindesteinkommens von immenser Bedeutung für
Brasilien, die geplanten 260 R$ entsprechen nur 72 €! Das ist für
eine Familie vielleicht nicht zu viel zum Sterben, sicher aber zu
wenig, um zu leben.
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Benedita
da Silva wieder Ministerpräsidentin?
Die Stuttgarter Zeitung vom 29.5.04
brachte einen richtig schönen Artikel mit der Schlagzeile: "Das
Parlament hat jetzt sogar eine Damentoilette". Und dazu wird ein Foto
von Bedenita da Silva gezeigt mit der Unterschrift: "Frauenpower:
Benedita da Silva regiert seit 2002 Rio de Janeiro." Das könnte
eine Meldung von Radio Eriwan sein, denn die besagte Dame wurde schon
längst demokratisch abgelöst, d.h. sie verlor die (Wieder-)
Wahl, erhielt zum Trost einen Ministerposten, Entschuldigung,
Ministerinnenposten, im Bundeskabinett, den sie aber auch verlor,
diesmal nicht demokratisch, sondern durch Präsidentenentscheid.
Der Grund war einfach; die Ministerin flog auf
Staats(bürger)kosten
nach Buenos Aires, um in einem Fünfsternehotel an einer privaten religiösen Veranstaltung
teilzunehmen. In letzter Minute
wurde noch ein offizielles Treffen "angehängt", was aber als
Bemäntelung nicht mehr ausreichte.
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